Zu viel Bürokratie im Gesundheitswesen?
Das Gesundheitswesen steht unter zunehmendem Druck: Steigende Patientenzahlen, Fachkräftemangel und wachsende Dokumentationspflichten sorgen dafür, dass medizinisches Personal einen großen Teil der Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben verbringt. Terminorganisation, Dokumentation, Kommunikation und interne Abstimmungen binden Ressourcen, die eigentlich für die Patientenversorgung benötigt werden. Häufig kommen dabei noch Insellösungen oder manuelle Prozesse zum Einsatz, die Abläufe unnötig kompliziert machen.
Eine Software fürs Gesundheitswesen setzt genau hier an, indem sie Prozesse digitalisiert, automatisiert und Informationen zentral verfügbar macht. So können Einrichtungen effizienter arbeiten und medizinisches Personal wird spürbar entlastet. Erfahre hier die Vorteile und Tools, die für diesen Zweck geeignet sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Gute Software im Gesundheitswesen sollte nicht einfach zusätzliche Funktionen liefern, sondern Systembrüche reduzieren, Informationen zentral verfügbar machen und administrative Abläufe vereinfachen.
- Besonders relevant für mittelgroße Arztpraxen (5–30 Mitarbeitende), Klinikverwaltungen, Praxismanagement sowie Digitalisierungs- und Projektverantwortliche.
- Tools für Dokumentation, Telemedizin und Projektmanagement lösen konkrete Engpässe im Alltag.
- Bei der Auswahl zählen vor allem Datenschutz, Integration, Bedienbarkeit, klare Verantwortlichkeiten und ein realistischer Einführungsprozess.
Warum braucht es im Gesundheitswesen eine Software?
Um die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu verbessern und die notwendigen Strukturen für ein modernes Gesundheitswesen zu schaffen, wird die digitale Transformation des Gesundheitswesen vorangetrieben. Begonnen wurde mit der elektronischen Patientenakte (ePA), dem elektronischen Rezept (E-Rezept) und der digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) für die Versicherten sowie die Ausweitung der Nutzungsmöglichkeiten für die Videosprechstunde und weitere Leistungen in der Telemedizin. Die Zielsetzung der verschiedenen Maßnahmen findet sich unter anderem in folgenden Gesetzen:
- dem Digitalgesetz (DigiG)
- und dem Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten (GDNG).
Welche Vorteile hat eine Gesundheitswesen-Software?
Zu den Vorteilen der digitalen Transformation und dem Einsatz von digitalen Tools zählen die schnelle Kommunikation, effizientere Verwaltungsabläufe durch die Abschaffung von Faxnachrichten und Papierformularen und jederzeit zugängliche Daten.
Durch eine systematische und sichere Auswertung von Gesundheitsdaten können Krankheiten besser erkannt und die Versorgung individuell auf Patientinnen und Patienten zugeschnitten werden. Zudem können auch Patientinnen und Patienten jederzeit ihre E-Akte einsehen und können so selbstbestimmter agieren.
Diese Effizienz ist besonders vor dem Hintergrund des demographischen Wandels wichtig: immer mehr ältere und chronisch kranke Menschen müssen versorgt werden und durch die moderne Versorgung kann dies gestemmt werden.
Weitere Vorteile sind:
- Informationen sind zentral verfügbar
- manuelle Mehrfacheingaben werden reduziert
- Verantwortlichkeiten werden nachvollziehbar festgehalten
- Freigaben und Abstimmungen sind beschleunigt
- Dokumentationsprozesse werden standardisiert
- standortübergreifende Zusammenarbeit wird vereinfacht
- Termine und digitale Kommunikation sind besser organisiert
- Projektfortschritte werden transparent gemacht
Für welche Einrichtungen lohnt sich Gesundheitssoftware?
Eine Gesundheitssoftware eignet sich insbesondere für:
- Praxen mit 5 bis 30 Mitarbeitenden
- Medizinische Versorgungszentren (MVZ)
- Kliniken und Krankenhausverwaltungen
- Physiotherapie-, Ergotherapie- und Logopädie-Praxen
- Pflegeeinrichtungen
- Gesundheitsdienstleister mit mehreren Standorten
Gerade diese Einrichtungen stehen häufig vor der Herausforderung, Informationen aus unterschiedlichen Systemen zusammenzuführen und gleichzeitig Datenschutzanforderungen einzuhalten.

Eine Gesundheitswesen Software muss vor allem leicht zu bedienen sein
Welche Herausforderungen fallen im Gesundheitswesen an?
Krankenhäuser, Praxen und Therapieeinrichtungen stehen vor besonderen Herausforderungen, wenn es um digitale Tools geht.
Zum Beispiel:
- Viele Bilddaten: Anders als in anderen Branchen fällt im Gesundheitssektor eine große Anzahl von Bilddateien an, die digitalisiert, gespeichert und sortiert werden müssen.
- Strenger Datenschutz: Die Gesundheitsdaten der Menschen unterliegen einem sehr strengen Datenschutz. Daher braucht es Lösungen, die genau hierfür spezialisiert sind.
- Intuitive Cloud-Lösungen: Der Gesundheitssektor hat alle Hände voll zu tun, daher sollten Tools einfach zu bedienen sein, damit alle Beteiligten schnell mit ihnen arbeiten können. Ganz ohne eine lange Einarbeitungsphase.
- Ständige Verfügbarkeit: Daten müssen jederzeit abrufbar sein, daher ist Zuverlässigkeit einer der wichtigsten Punkte für eine Software im Gesundheitswesen. Nur so kann eine sichere Behandlung der Menschen sichergestellt werden.
- Systembrüche: Bisher gibt es besonders viele bestehende Einzellösungen. Die fehlende Interoperabilität der System führt allerdings dazu, dass Daten nicht in einem Workflow verarbeitet werden. Eine Zeitersparnis bringt das also nicht.
- Geringe Einarbeitungszeit: Medizinisches und administratives Personal kann selten wochenlange Schulungsphasen einplanen.
- Zeitkritische Prozesse: Informationen müssen zuverlässig und schnell verfügbar sein.
Was muss eine gute Lösung konkret leisten?
Vor einer Kaufentscheidung sollten Verantwortliche mindestens diese Punkte prüfen:
- Intuitive Bedienung (Einarbeitung in wenigen Tagen)
- 100 % DSGVO-konforme Datenverarbeitung
- Hohe Verfügbarkeit (>99,9 %)
- Integration bestehender Systeme (z. B. Praxissoftware)
- Einführung innerhalb weniger Wochen
- Transparente Rollen- und Rechteverwaltung
- Skalierbarkeit für zukünftiges Wachstum
Warum scheitern viele Digitalisierungsprojekte im Gesundheitswesen?
Nach unserer Erfahrung liegt das Problem häufig nicht bei der Software selbst. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, bestehende Prozesse zu strukturieren und systemübergreifend abzubilden. Viele Einrichtungen investieren zunächst in neue Tools, ohne ihre internen Abläufe zu standardisieren.
- Die größte Zeitersparnis entsteht selten durch einzelne Funktionen.
- Der größte Hebel liegt in der Vermeidung von Systembrüchen.
- Zentral verfügbare Informationen reduzieren Abstimmungsaufwand deutlich.
- Standardisierte Prozesse erhöhen die Akzeptanz neuer Softwarelösungen.
Erfolgreiche Digitalisierung entsteht nicht durch mehr Software, sondern durch bessere Prozesse in Kombination mit der richtigen Software.
Welche Praxis- oder Gesundheitssoftware ist die beste?
Diese Herausforderungen machen die Suche nach einer geeigneten Software nicht einfacher. Deshalb stellen wir Dir 3 Tools vor, die bereits im Gesundheitswesen verwendet werden.
Praktische Tools für das Gesundheitswesen
1. adesso AURA: Effiziente Dokumentationslösung
Die Dokumentationslösung von adesso unterstützt medizinische Einrichtungen bei der effizienten Erstellung von Arztbriefen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz können Arztbriefe weitgehend automatisiert generiert werden, wodurch der administrative Aufwand für medizinisches Personal deutlich reduziert wird. Außerdem können:
- Vorbefunde analysiert,
- Laborwerte strukturiert verarbeitet,
- und individuelle Formulare generiert werden
So entsteht ein umfassendes Bild der Patientengeschichte und Dokumentationsprozesse im Klinik- und Praxisalltag lassen sich deutlich beschleunigen und standardisieren.
2. webPRAX: Videosprechstunde für therapeutische Behandlungen
Immer beliebter werden auch Videosprechstunden, da besonders in ländlichen Gegenden die medizinische Versorgung schlechter wird. webPRAX ist eine Softwarelösung für digitale Videosprechstunden, die speziell für therapeutische Behandlungen entwickelt wurde. Sie eignet sich unter anderem für:
- Psychotherapie,
- Logopädie,
- Ergotherapie
- und Physiotherapie
und ermöglicht es Behandelnden, ihre Patientinnen und Patienten ortsunabhängig zu betreuen.
Neben der eigentlichen Videokommunikation bietet webPRAX weitere Funktionen zur Unterstützung der digitalen Therapie. Dazu gehören ein verschlüsselter Chat, der sichere Austausch von Dokumenten sowie ein integriertes Whiteboard. Zusätzlich verfügt die Plattform über eine Terminverwaltung, die die Organisation von Sitzungen erleichtert. Das Tool ist sowohl für Einzelpraxen als auch für größere Praxen und Kliniken geeignet.
3. factro: Projektmanagement für Digitalisierungsprojekte im Gesundheitswesen
factro ist eine Projektmanagement-Software, die bei der Planung und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten im Gesundheitswesen unterstützt wird. Mit factro können Projekte an einem Ort strukturiert geplant, organisiert und dokumentiert werden. Alle relevanten Informationen werden zentral an einem Ort gesammelt, sodass Teams jederzeit den Überblick über Aufgaben, Fortschritte und Verantwortlichkeiten behalten.
Für eine übersichtliche zeitliche Planung bietet factro 4 voreingestellte Ansichten an:
- Projektstrukturbaum
- Kanban Board
- Tabelle
- Gantt-Diagramm
Das Gantt-Diagramm ist besonders gut geeignet, um den zeitlichen Ablauf zu planen. Abweichungen und Engpässe werden automatisiert erkannt und markiert, sodass ein rechtzeitiges Eingreifen möglich ist. Das Gantt-Diagramm hilft dabei:
- Abhängigkeiten sichtbar zu machen
- Engpässe frühzeitig zu erkennen
- Ressourcen besser zu planen
- Projektverzögerungen zu vermeiden
Zusätzlich können automatisierte Projektberichte erstellt werden, die den aktuellen Stand eines Projekts transparent zusammenfassen.

Abhängigkeiten zwischen Aufgaben werden im Gantt-Diagramm deutlich
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Datenschutz: factro wird in Deutschland gehostet und ist DSGVO-konform sowie BDSG-neu-konform. Darüber hinaus sind Vertragsmodelle wie ein EVB-IT-Cloudvertrag möglich, und ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) kann auf Anfrage abgeschlossen werden.
Praxen, Kliniken und Co erhalten außerdem persönliche Beratung sowie Workshops zur Einführung und optimalen Nutzung des Tools. Für wiederkehrende Projekte stehen Projektvorlagen zur Verfügung, sodass sich neue Vorhaben schnell aufsetzen lassen. Die intuitive Bedienung ermöglicht es dabei, dass Personen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen effizient arbeiten können.

Mit Projektvorlagen kannst Du direkt starten
Welche Software wird im Gesundheitswesen am häufigsten eingesetzt?
Eine einzelne Software, die im gesamten Gesundheitswesen am häufigsten eingesetzt wird, gibt es nicht. Die Systeme unterscheiden sich je nach Einrichtung und Aufgabe. Typische Softwarelösungen sind:
- Krankenhausinformationssysteme (KIS) in Kliniken und Krankenhäusern
- Praxisverwaltungssysteme (PVS) in Arztpraxen und MVZ
- PACS zur Verwaltung medizinischer Bilddaten
- Laborinformationssysteme (LIS) für Laborprozesse
- Software für Dokumentation, Terminmanagement und Abrechnung
- Projektmanagement- und Kollaborationstools für organisatorische und digitale Projekte
In Krankenhäusern bildet das KIS häufig das digitale Kernsystem, in dem zentrale medizinische und administrative Prozesse zusammenlaufen.
Was ist ein Krankenhausinformationssystem (KIS)?
Ein Krankenhausinformationssystem, kurz KIS, ist eine zentrale Softwareplattform zur digitalen Unterstützung von medizinischen, pflegerischen und administrativen Prozessen im Krankenhaus. Darin werden beispielsweise Informationen zu Patient, Behandlungen, Dokumentationen und Abrechnungen zusammengeführt.
Ein KIS verbindet damit unterschiedliche Berufsgruppen und Bereiche einer Klinik und stellt relevante Informationen zentral zur Verfügung.
Was macht ein Krankenhausinformationssystem?
Ein KIS begleitet im Idealfall einen großen Teil des gesamten Behandlungsprozesses. Typische Funktionen sind:
- Patientenaufnahme und -verwaltung
- medizinische und pflegerische Dokumentation
- Planung von Diagnostik und Therapie
- Verwaltung von Befunden
- Unterstützung von OP- und Stationsprozessen
- Abrechnung medizinischer Leistungen
- Bereitstellung relevanter Patientendaten
- Anbindung weiterer klinischer Fachsysteme
Ist SAP ein KIS?
SAP selbst ist kein Krankenhausinformationssystem, sondern ein Anbieter von Unternehmenssoftware. Mit SAP IS-H stellte SAP jedoch eine speziell auf Krankenhäuser ausgerichtete Branchenlösung bereit. Für Krankenhäuser ist dabei wichtig: SAP hat angekündigt, die Wartung der klassischen SAP-IS-H-Lösung im Zuge des SAP-ECC-Wartungsendes bis zum Ende des Jahrzehnts auslaufen zu lassen.
Wie wählst Du die richtige Software für Deine Einrichtung aus?
Beginne nicht mit einer Liste möglicher Anbieter. Beginne mit dem Prozess, den Du verbessern möchtest. Diese 7 Fragen solltest Du vor der Entscheidung beantworten.
- Welches Hauptproblem soll gelöst werden?
Dokumentation, Kommunikation, Projektsteuerung, Terminorganisation oder etwas anderes? - Welche Systeme sind heute an diesem Prozess beteiligt?
Gibt es PVS, KIS, Excel-Listen, E-Mail, Papier oder andere Insellösungen? - Welche Systembrüche sollen verschwinden?
Muss jemand Informationen manuell kopieren oder doppelt erfassen? - Welche Datenschutzanforderungen gelten?
Hosting, Zugriffsrechte, AVV, technische und organisatorische Maßnahmen sowie weitere Anforderungen sollten vorab geprüft werden. - Wie schnell können Mitarbeitende produktiv arbeiten?
Ein technisch mächtiges Tool mit geringer Akzeptanz ist selten die beste Wahl. - Kann die Einführung zunächst klein beginnen?
Ein Pilotprojekt reduziert Risiken und liefert früh Feedback aus dem Alltag. - Kann die Lösung mit der Einrichtung wachsen?
Prüfe zusätzliche Standorte, Nutzer, Projekte, Rollen und zukünftige Integrationen.
Fazit: Digitale Lösungen für effizientere Abläufe
Moderne Software fürs Gesundheitswesen leistet einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung. Sie helfen dabei, administrative Prozesse zu vereinfachen, Abläufe transparenter zu gestalten und die Zusammenarbeit innerhalb von Teams und zwischen verschiedenen Abteilungen sowie zwischen Ärztinnen und Ärzten und Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dadurch können Praxen, Kliniken und Therapieeinrichtungen effizienter arbeiten und wertvolle Zeit sparen.
Gleichzeitig sorgt die Digitalisierung dafür, dass Informationen strukturiert verfügbar sind und Entscheidungen schneller getroffen werden können. Richtig eingesetzt unterstützt Gesundheitswesen-Software somit nicht nur organisatorische Prozesse, sondern schafft auch mehr Freiraum für eine verlässliche und patientenorientierte Versorgung.

