Digitalisierung im Gesundheitswesen

Das deutsche Gesundheitssystem braucht Reformen. Digitalisierung lautet das Ziel. Doch welche Regelungen und Strategien gibt es?
Ärzte und Ärztinnen in einem OP

Zukunft der Medizin

Was läuft eigentlich falsch im deutschen Gesundheitswesen? Solche Schlagzeilen liest man häufig, wenn es um Kritik am momentanen Zustand geht. Verstaubte Patientenakten in Arztpraxen, Formulare und Rezepte, die immer noch eigenständig von Patienten von A nach B gebracht werden müssen und Akten, die von Praxis zu Praxis geschickt werden müssen– das nationale Gesundheitssystem hängt hinterher, wenn es um Digitalisierung geht.

Eine Einladung zum Thema "Digitaler Wandel in der Öffentlichen Verwaltung"

Neue Gesetze werden geschaffen

Um dem entgegenzuwirken und die Versorgung zu verbessern, werden immer wieder neue Gesetze auf den Weg gebracht, die die Digitalisierung im Gesundheitssystem voranbringen sollen. Trotzdem lassen die großen Fortschritte auf sich warten und auch die Umsetzung in einem bestimmten Zeitrahmen, wie bei dem KHZG, funktioniert oft nicht.

Welche Gesetze gibt es eigentlich? Was sind die Ziele der Bundesregierung und wie kann eine Digitalisierungsstrategie im Gesundheitssektor umgesetzt werden? Das erfährst Du in diesem Artikel.

  1. Warum ist Digitalisierung im Gesundheitswesen wichtig?
  2. Digitalisierung im Gesundheitswesen: Ländervergleich
  3. Digitalisierungsgesetze
  4. Die Digitalisierungsstrategie des Bundesgesundheitsministeriums
  5. Fazit: Gesundheit wird digital
Ein Laptop steht auf einem anderen
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen soll Prozesse vereinfachen

1. Warum ist Digitalisierung im Gesundheitswesen wichtig?

Deutschland soll digital werden – in allen Bereichen. Bereits bei Behörden und Ämtern wird die Digitalisierung durch Softwares für die Öffentliche Verwaltung und den Einsatz von Dokumentenmanagementsystemen. Auch das Gesundheitswesen steht nun auf dem Plan, denn es gibt einiges nachzuholen: Doch wie hilft die Digitalisierung dabei? Welche Vorteile und Chancen ergeben sich?

Elektronische Patientenakte

Digitale Prozesse sparen Zeit und Geld. Ähnlich zur E-Akte soll es schon bald die digitale Patientenakte geben. Dies beschloss der Bundestag am 14. Dezember 2023. Die ePA soll dazu beitragen, dass alle Gesundheitsdaten jederzeit abrufbar sind. Das heißt, das Anfordern und Warten auf Akten bleibt aus. Auch doppelte Behandlungen und Untersuchungen können so besser vermieden werden. Das trägt zu einer leistungsfähigeren Patientenversorgung bei.

E-Rezept

Auch das E-Rezept vereinfacht den Alltag von Erkrankten und ärztliches Personal. So wird ein E-Rezept direkt an die elektronische Gesundheitskarte oder der App übermittelt. Für Folgerezepte oder ein verlorenes Rezept muss man also in Zukunft keinen extra Weg zur Praxis machen. Auch Rezepte für Angehörige können damit besser verwaltet werden.

Telemedizin

Telemedizin beschreibt den Einsatz von Techniken, die genutzt werden, um eine zeitliche und/oder räumliche Trennung zu überbrücken.

Damit gemeint ist zum Beispiel:

  • Videosprechstunde
  • Digitale Gesundheitsanwendungen wie Apps, um Krankheiten zu überwachen
  • Telemonitoring

Besonders hilfreich ist dies bei chronisch kranken und älteren Personen, sowie für diejenigen, die weite Wege für eine Sprechstunde vor Ort zurücklegen müssen. Mit Hilfe der Telemedizin kann die Gesundheitsversorgung also auch digital funktionieren.

Verantwortlich für den Ausbau der Infrastruktur ist die gematik, die nationale Agentur für digitale Medizin.

Optimale Auslastung

Darunter kann zum Beispiel ein System fallen, das die Bettenbelegung vermerkt. Das hilft dabei, die behandelnden Personen besser auf die Krankenhäuser und vorhandenen Kapazitäten zu verteilen. Auch Rettungsdienste können diese Systeme nutzen, um Notfälle an die bestverfügbare und ausgestattete Kliniken zu verweisen.

Eine Grafik mit einer Vorschau auf die Erfolgsgeschichte der Stadt Bergisch Gladbach und dem Text "Die Erfolgsgeschichte der Stadt Bergisch Gladbach: So gelingt die digitale Transformation! Jetzt lesen"

2. Digitalisierung im Gesundheitswesen: Ländervergleich

Im Ländervergleich kann Deutschland nicht Schritt halten. Die #SmartHealthSystems-Studie aus 2018 zeigt: Deutschland liegt auf dem vorletzten Platz. Es ist also noch ziemlich viel zu tun. Das liegt aber nicht am fehlenden Innovationswillen – das Problem ist eher, dass viele Versorgungsangebote nur von einzelnen Unternehmen zur Verfügung gestellt und nicht flächendeckend eingesetzt werden.

Die Studie stellt aber auch fest, dass immer noch eine nationale Strategie fehlt. Das E-Health-Gesetz ist zwar eine Vorgabe für viele Bereiche, deckt aber längst nicht alles ab: Alle kochen ihr eigenes Süppchen, eine Institution, die alle koordiniert, gibt es aber nicht.

Skandinavische Länder als Vorbild

Auch im aktuellen Vergleich sieht es nicht viel besser aus: Wie der DESI-Report zeigt, ist auch hier Deutschland nicht besonders weit vorne. Die skandinavischen Länder wie Schweden, Finnland und Dänemark belegen die ersten Plätze.

Der Unterschied zu Deutschland ist, dass viele der Digitalisierungsmaßnhamen, wie zum Beispiel das E-Rezept, bereits umgesetzt sind – und auch genutzt werden. In Dänemark ist das Gesundheitsinformationsportal sunhed.dk bereits fest etabliert. In dem System sind alle Diagnosen, Behandlungen, Medikamente etc. gespeichert.

Ein weiterer Unterschied ist, dass der Pflegebereich in Ländern wie Schweden durch höhere Bezahlung und mehr Wertschätzung wesentlich attraktiver gestaltet ist und so mehr Zeit für die zu betreuenden Personen bleibt.

Auch die Bereitschaft der Bevölkerung digitale Services, wie beispielsweise die Telesprechstunde, zu nutzen, ist wichtig für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie.

Eine ausgezogene Schublade mit Akten
Elektronische Akten sollen eine schnellere und besserer Behandlung ermöglichen

3. Digitalisierungsgesetze

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kommt nur schleppend voran. Um die digitale Transformation zu beschleunigen, bringt die Bundesregierung neue Gesetze auf den Weg. Die wichtigsten Gesetze fassen wir hier für Dich zusammen.

Krankenhauszukunftsgesetz

Das Krankenhauszukunftsgesetz, kurz: KHZG, ist eine weitere Maßnahme, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzubringen. Bereits 2015 legte das E-Health-Gesetz den Grundstein, danach wurde die Digitalisierung mit verschiedenen Gesetzen vorangebracht, z.B.

  • Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG): Einrichtung von Terminservicestellen für eine schnellere Terminvergabe
  • Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV): Informationen zu Herstellern und Wirkstoffe sollen öffentlich zur Verfügung gestellt werden
  • Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG): Einsatz von Gesundheitsapps und Anschluss von Apotheken und Krankenhäusern an die Telematik-Infrastruktur
  • Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG): Schutz der Daten in der elektronischen Patientenakte durch die jeweilige Person
  • Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG): Moderne Vernetzung durch digitale Pflegeanwendungen, die Patientenakte und Ausbau des Nationalen Gesundheitsportals

Vorteile des KHZGs

Das KHZG wurde im September 2023 verabschiedet und trägt zu einem digitalisierten Gesundheitswesen bei, das neue Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten ins Spiel bringt. Zudem wird die Kommunikation zwischen verschiedenen Einrichtungen und Personal durch Patientenportale und digitale Akten erleichtert und Patienten und Patientinnen werden stärker mit einbezogen.

Mithilfe eines digitalen Systems ist es zudem einfacher, auf Gesundheitsdaten zuzugreifen, was dabei helfen kann, Krankheiten schneller zu erkennen und besser zu überwachen. Durch den Einsatz von Telemedizin, wie Videosprechstunden kann zudem der Urbanisierung entgegengewirkt werden, denn so können auch die Menschen auf dem Land besser betreut werden, die nicht die Möglichkeit haben, weitere Wege zu einer Praxis auf sich zu nehmen.

Digital-Gesetz

Am 14. Dezember 2023 wurde das Digital-Gesetz (DigiG) zur Beschleunigung der Digitalisierungsprozesse im Gesundheitswesen verabschiedet. Darunter fallen zum Beispiel

  • das E-Rezept
  • und die elektronische Patientenakte (ePA).

Die ePA gibt es ab Januar 2025 für alle gesetzlich Versicherten. Mit inbegriffen ist eine digitale Medikationsübersicht. Dadurch kann Gesundheitspersonal in Zukunft schneller auf bisherige Behandlungen, Diagnosen und andere wichtige Gesundheitsdaten zugreifen. So wird eine Behandlung beschleunigt. Auch die Patienten und Patientinnen können die Akte nutzen und zum Beispiel den Impfausweis oder Mutterpass digital verfügbar machen. Das Digital-Gesetz unterstützt zudem den Ausbau der Telemedizin.

Gesundheitsdatennutzungsgesetz

Das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) regelt vor allem die Organisation der Daten. So ist das Ziel, eine zentrale Datenzugangs- und Koordinationsstelle für die Nutzung der Gesundheitsdaten einzurichten. Gesundheitsdaten sollen in Zukunft miteinander verknüpft und für Forschungszwecke genutzt werden können. Dabei unterliegen die Daten dem Forschungsgeheimnis, das bedeutet, dass sie gesetzeskonform behandelt werden müssen, ansonsten droht eine Strafe.

Zudem soll die Eigenforschung von Gesundheitseinrichtungen gestärkt werden. Das Gesetz soll 2024 in Kraft treten.

Auch der Schutz der Versicherten steht im Vordergrund. Deshalb sollen personalisierte Hinweise an versicherte Personen herausgegeben werden, die dem individuellen Schutz dienen. Das können zum Beispiel Hinweise auf eine Krebserkrankung oder seltene Erkrankungen sein.

Ein Richterhammer
Die neuen Gesetze sollen die Digitalisierung regeln

4. Die Digitalisierungsstrategie des Bundesgesundheitsministeriums

Ziele der von Karl Lauterbach vorgestellten Digitalisierungsstrategie sind,

  • dass 80% der Versicherten bis 2025 eine elektronische Patientenakte haben
  • dass 80% von denen, die eine ePA nutzen, bis Ende 2025 eine digitale Medikationsübersicht zur Verfügung haben
  • und dass 300 Forschungsvorhaben mit Gesundheitsdaten bis Ende 2026 umgesetzt werden.

Bei der Strategie sollen bestehende Prozesse auf ihr Digitalisierungspotenzial geprüft und angepasst werden. Zudem sollen einheitliche Mechanismen bei der Umsetzung eingeführt werden.

Damit die Umsetzung der Digitalisierung im Gesundheitswesen funktionieren kann, gehört es dazu, dass die Betroffenen miteinbezogen werden (zum Beispiel bei der Planung eines Projekts) und über die Vorteile der Digitalisierung Bescheid wissen. Denn nur so können sie daran mitarbeiten. Prozesse sollen und können nämlich auch weiterentwickelt und umgestaltet werden.

Ausblick: KI in der Medizin

Bei dem Gedanken an Digitalisierung im Gesundheitswesen ist es nur ein kleiner Schritt, den Einsatz von KI miteinzubeziehen. Auch in diesem Bereich ergeben sich viele Handlungsfelder für eine Künstliche Intelligenz.

Ein Beispiel ist die Suche nach medizinischen Wirkstoffen. Bei der Entwicklung von neuen Arzneien kann eine KI Bibliotheken mit potenziellen Wirkstoffen durchsuchen, um den richtigen zu finden.

Eine andere Möglichkeit ist zum Beispiel ist auch eine Vorhersage und Erkennung des Krankheitsverlaufs, wie Komplikationen, aber auch Anomalien und Krankheitsbilder vor Symptomeintritt.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Das Gesundheitssystem steht vor großen Hürden: Nicht nur der Alltag belastet die Angestellten, auch die Umsetzung der Digitalisierungspläne sprengt in vielen Einrichtungen die Ressourcen.

Durch den demografischen Wandel fehlt der Nachwuchs, die Inflation treibt die Preise für Arzneimittel, aber auch für Dienstleistungen in die Höhe und die Anträge sind ein enormer bürokratischer Aufwand. Hinzu kommt, dass passende Technologien gefunden werden müssen und das Personal oftmals nicht gut eingebunden und vorbereitet ist. Auch die hohen Kosten der Maßnahmen stellen eine Belastung dar.

Damit die digitale Transformation erleichtert wird, gibt es die Digitalisierungsstrategie, die Ziele und Maßnahmen festhält. So haben Einrichtungen eine Orientierung.

5. Fazit: Gesundheit wird digital

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kommt immer noch nur schleppend voran, ob die neuen Gesetze etwas daran ändern, bleibt abzuwarten. Mit dem KHZG ist das Bundesamt für Soziale Sicherung eine übergeordnete Instanz für die Freigabe von Geldern geworden, die Umsetzung bleibt jedoch an den einzelnen Einrichtungen hängen. Auch bei den anderen Maßnahmen sieht es nicht anders aus.

Mit der Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege des Gesundheitsministeriums gibt es aber nun mehr Orientierung für alle Beteiligten. Für die Realisierung von Projekten nutzen bereits einige Einrichtungen und Institutionen eine Projektmanagement-Software, die einen umfassenden Überblick über das Vorhaben und die Kapazitäten gibt. So können Projekte besser gesteuert werden.

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