KHZG — Gesundheit wird digital

Das KHZG soll das Gesundheitswesen digitalisieren. Welche Maßnahmen sind in dem Gesetz festgehalten und wie funktioniert die Umsetzung?
Ein Stethoskop liegt auf einer Fläche

Digitale Transformation im Gesundheitswesen

Zu wenig Personal, zu wenig Betten – Krankenhäuser sind oft am Limit ihrer Kapazitäten. Besonders in der Corona-Pandemie kamen die Mängel zum Vorschein. Doch damit soll Schluss sein. Einheitliche Systeme und Abläufe, zentraler Zugang zu Informationen, digitale Dienste – um das zu ermöglichen, wurde das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) beschlossen. Das Ziel: Das Gesundheitssystem soll digital werden. Unter anderem sollen Strukturen gestärkt und Prozesse in Zukunft vereinfacht werden.

Doch was genau bedeutet das KHZG für das Gesundheitswesen und wie kann es umgesetzt werden? Das erfährst Du hier.

  1. Was ist das KHZG?
  2. Bis wann müssen KHZG-Projekte umgesetzt sein?
  3. Die KHZG Fördertatbestände
  4. KHZG-Umsetzung: So wird’s digital
  5. Fazit: KHZG erfordert Umdenken
Eine Person mit Arztkittel hält ein Smartphone in der Hand
Das KHZG digitalisiert das Gesundheitssystem

1. Was ist das Krankenhauszukunftsgesetz

Das Krankenhauszukunftsgesetz (kurz: KHZG) legt den Grundstein für die Digitalisierung im Gesundheitswesen in. Damit soll das Gesundheitssystem flexibler und einfacher werden und negative Auswirkungen während der Corona-Pandemie, wie z.B. Schwierigkeiten beim Weiterreichen von Patientenakten und dadurch nachfolgenden Doppeluntersuchungen, entgegenwirken. Denn noch heute laufen viele Prozesse analog ab.

Für dieses Vorhaben werden knapp 4,3 Milliarden Euro bereitgestellt: 3 Milliarden Euro werden vom Bund zur Verfügung gestellt, Ländern und Krankenhausträgern übernehmen 1,3 Millarden Euro.

Warum KHZG – Das sind die Ziele

Das zentrale Ziel ist der Ausbau der digitalen Services in Krankenhäusern und Hochschulkliniken z.B. in der Notaufnahme, Entlassmanagement und der digitalen Nachsorge. Auch Notfallkapazitäten sollen weiter gefördert werden. Zudem sollen die Patienten und Patientinnen aktiv in die Behandlung mit einbezogen werden.

Außerdem soll durch den Ausbau der elektronischen Patientenakte für mehr Behandlungssicherheit und Unterstützung des Austauschs sorgen. In der Vergangenheit wurde der Fokus eher auf die ambulanten Möglichkeiten wie die E-Akte oder das E-Rezept.

💡 Das KHZ-Gesetz
Das Krankenhauszukunftsgesetz wurde am 18.09.2023 verabschiedet. Dafür wurde vom Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) ein Krankenhauszukunftsfond (KHZF) eingerichtet. Auch Länder und Träger übernehmen einen Teil der Kosten, somit kommt der KHZF auf ein Fördervolumen von 4,3 Milliarden Euro.

Die erste Evaluation über den Fortschritt des KHZGs wurde am 30.06.2021 vorgenommen, die zweite Evaluation ist für den 30.06.2024 angesetzt.

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2. Bis wann müssen KHZG-Projekte umgesetzt sein?

Die erste Deadline für das Abschließen der Muss-Kriterien war Ende 2024, nun wurde diese aber verlängert. Nun beginnt die Erhebung der Umsetzung erst am 31.12.2025. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Maßnahmen bis zum Jahresende 2024 beauftragt werden.

Auch die Frist für die Nutzung der Muss-Maßnahmen wurde verlängert, erst ab 2027 drohen Kliniken KHZG-Sanktionen, wenn sie bis zum 31.12.2027 nicht mindestens 60% der digitalen Neuerungen nutzen. Danach geht es stufenweise weiter: 2028 soll die Nutzung bei 70% und 2029 bei 80% liegen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband einigten sich zudem auf eine Abschlagsvereinbarung bei fehlender Nutzung und Umsetzung der Maßnahmen. Ermittelt wird der Abschlag Ende 2025, 2026 tritt die Vereinbarung dann in Kraft.

Kann- und Muss-Kriterien KHZG

Für jeden Fördertatbestand gibt es außerdem jeweils Kann- und Muss-Kriterien:

  • Muss-Kriterien: Dies sind die Mindestanforderungen, die umgesetzt und berücksichtigt werden müssen. Sie sind in den KHZG Förderrichtlinien festgehalten.
  • Kann-Kriterien: Diese Kriterien sind optional und müssen nicht vollständig umgesetzt werden.

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3. Die KHZG Fördertatbestände

In dem Krankenhauszukunftsgesetz sind insgesamt 11 Fördertatbestände formuliert, die von dem BAS definiert wurden. Diese sollen mit Hilfe von Fördermitteln umgesetzt werden und so Kliniken digitaler machen.

Die 11 Fördertatbestände lauten:

  1. (Informations)technische Ausstattung der Notaufnahme, angepasst an den aktuellen Stand
  2. Patientenportale: Kommunikationsaufwand soll reduziert und Informationen schneller zugänglich gemacht werden. Außerdem: digitales Aufnahme-, Behandlungs, und Entlassungsmanagement
  3. Pflege- und Behandlungsdokumentation: Digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation und automatisierte, sprachbasierte Dokumentation
  4. Entscheidungsunterstützung: Digitale Systeme, die bei der Wahl der Diagnostik, Therapie etc.
  5. Digitales Medikationsmanagement: Digitale Dokumentation von Medikation
  6. Digitaler Leistungsanforderungen: Digitale Anforderung und automatisierte Anforderung der Diagnose- und Behandlungspläne
  7. Cloud-Computing Systeme: Ein gemeinsames IT-System, die alle Infos gemäß den Datenschutzrichtlinien bereitstellen
  8. Versorgungsnachweissystem für Betten: Digitales System, das Zusammenarbeiten von Rettungsdiensten, Leitstellen, Krankenhäusern etc verbessert
  9. Telemedizinische Netzwerke: Beschaffung und Entwicklung telemedizinischer Systeme wie Videosprechstunden
  10. IT- und Cybersicherheit: IT-Sicherheit nach dem BSI-Gesetz verbessern
  11. Anpassung von Patientenzimmern: Umwandlung von Mehrbett- zu Ein- oder Zweibettzimmern, für die Vorbereitung auf eine Pandemie
Blätter in einer Akte
Mit dem KHZG gehören Papierakten der Vergangenheit an

Herausforderungen bei der Umsetzung

Das Krankenhauszukunftsgesetz stellt Einrichtungen vor jede Menge Herausforderungen. So müssen in relativ kurzer Zeit viele Projekte realisiert werden. Das bedeutet, es müssen Anträge gestellt, Ausschreibungen durchgeführt und ein Vergabeverfahren geleitet werden.

Hinzu kommen die begrenzten (internen) Ressourcen bei der Umsetzung – gerade, weil oft im Gesundheitsbereich Personalmangel herrscht. Auch Zeit ist ein Faktor, der eine Hürde darstellt, beispielsweise beim Feststellen des Reifegrades der Digitalisierung in einer Einrichtung. Und: wenn die Prozesse und Systeme erstmal etabliert sind, müssen sie auch gepflegt werden. Auch das kostet Zeit.

Auf der anderen Seite stehen Vorteile, wie Vereinfachung von Prozessen, umfassender Überblick über Ressourcen und Patienten und Patientinnen. Der eingegrenzte Zeitraum setzt zudem den Fokus auf die Umsetzung, die sonst immer weiter hinausgezögert wird.

💡 KHZG Schulungen
Viele Krankenhäuser suchen sich externe Dienstleister, wenn es um Fördertatbestände geht, die eine IT-Infrastruktur erfordern. Mittlerweile bietet das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) Schulungen für Personen an, die bei einem IT-Dienstleister arbeiten und zur Umsetzung der Fördertatbestände gemäß KHZG beitragen. Diese Zertifizierung nach der Krankenhausstrukturfonds-Verordnung (KHSFV) ist Voraussetzung für einige Fördertatbestände, um durch den KHZF gefördert zu werden.

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4. KHZG-Umsetzung: So wird’s digital

Für die Umsetzung der KHZG Fördertatbestände muss ein Antrag bei dem BAS eingereicht werden. Dafür muss zuerst der Krankenhausträger einen Bedarfsantrag an das Land stellen. Das entscheidet dann, für welche Projekte eine Förderung beim BAS beantragt wird. Dieser Antrag wird dann vom Land an das BAS gestellt. Anschließend prüft das BAS den Antrag und ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Bedingung für die Fördermittel ist, dass sich das Land bzw. die Einrichtungen mit 30% an den Kosten beteiligen.

Wichtig bei der Antragstellung ist, dass je Einrichtung ein Antrag je Fördertatbestand gestellt werden muss.

Umsetzung starten

Wo soll man da anfangen? Zu Beginn ist es wichtig zu wissen was noch gebraucht wird und dementsprechend einen Plan zur Vorgehensweise zu erstellen:

  1. Digitalen Ist-Zustand analysieren: Welche Punkte sind (nicht) erfüllt?
  2. Bedarfsanmeldung und Anträge platzieren: Welche Formulare werden benötigt?
  3. Digitalisierungskonzept erstellen: Welche Projekte stehen als Erstes an?
  4. Datensicherheit gewährleisten: Sind genutzte Tools DSGVO-konform?
  5. Umsetzung und Implementierung: Aufträge ausschreiben und vergeben

Projekte digital umsetzen

Da im Zuge des Gesetzes viele verschiedene, einzelne Projekte auf Krankenhäuser zukommen, ist es hilfreich, ein zentrales System einzusetzen, mit dem diese umgesetzt werden können. Zum Beispiel mit einer Projektmanagement-Software. Mit einem solchen Tool können auch mehrere Projekte gleichzeitig gemanagt werden, zusätzlich hat man einen Überblick über alle anstehenden Aufgaben.

Das übersichtliche Gantt Chart in factro
Das übersichtliche Gantt Chart in factro

Zu den Funktionen bei vielen Projektmanagement-Tools gehören zum Beispiel auch die Verwaltung von Dokumenten, die das Projekt betreffen. Also zum Beispiel die Förderungsanträge, Genehmigungen etc. Auch eine Zeiterfassung wird in vielen PM-Softwares eingesetzt. So kann genau nachgehalten werden, wie viel Zeit in die Umsetzung von KHZ-Projekten fließt und geprüft werden, ob das Budget eingehalten wird.

Auch die Zusammenarbeit mit Externen, wie beispielsweise Stakeholdern, ist in den meisten Tools möglich. So bleiben alle Beteiligten auf dem Laufenden.

In der Software factro ist es außerdem möglich, durch benutzerdefinierte Felder Kosten in Aufgaben, Paketen und Projekten darzustellen. So kann das Budget optimal überwacht und im Notfall gegengesteuert werden.

5. Fazit: KHZG erfordert Umdenken

Das KHZG ist ein wichtiger Schritt für ein digitalisiertes Gesundheitssystem. Dadurch können Ressourcen optimal genutzt und die Behandlung von Erkrankten verbessert werden. Durch den zentralen Zugriff auf Diagnosen und Medikation können Behandlungen zum Wohl des Patienten effektiver ablaufen. Auch der Alltag fürs Personal kann durch ein digitales Aufnahme- und Entlassmanagement erleichtert werden und Zeit sparen.

Doch die Umsetzung stellt viele Krankenhäuser vor Herausforderungen, wie etwa die schnelle Umsetzung der Muss-Kriterien. Bei der Organisation und Planung von Projekten kann eine Projektmanagement-Software unterstützen.

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