Digitalisierung im öffentlichen Sektor
Die öffentliche Verwaltung steht vor großen Herausforderungen: Der Wunsch nach schnellen, transparenten und unkomplizierten Verwaltungsstrukturen steigt, während viele Prozesse noch immer papierbasiert und aufwändig sind. Das führt zu langen Bearbeitungszeiten und viel Bürokratie.
Das Ziel der digitalen Transformation ist es, den öffentlichen Sektor zukunftsfähig zu gestalten. Mit Hilfe des Einsatzes von digitalen Tools, digitalen Prozessen sowie ortsunabhängigen Diensten kann die Verwaltung nicht nur schneller, sondern auch effizienter agieren. Die Voraussetzung dafür: ein Umdenken in der Organisation. Wie das funktioniert und wie die digitale Transformation umgesetzt werden kann, erfährst Du in diesem Artikel.
Das Wichtigste in Kürze
- Digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung bedeutet mehr als Papier durch Software zu ersetzen: Prozesse, Zuständigkeiten, Datenflüsse und Zusammenarbeit müssen gemeinsam neu gedacht werden.
- Das OZG setzt den rechtlichen Rahmen für digitale Verwaltungsleistungen weiter fort. Zu den aktuellen Meilensteinen gehören einheitliche Standards, Ende-zu-Ende-Digitalisierung und die weitere Zusammenführung der Verwaltungsportale.
- Der größte Engpass ist häufig nicht die fehlende Software, sondern die operative Umsetzung: Wer ist verantwortlich? Was ist der nächste Schritt? Wo entstehen Medienbrüche? Welche Kennzahl zeigt Fortschritt?
- Praxisdaten zeigen das Potenzial strukturierter Projektarbeit: factro wird nach eigenen Angaben bereits von mehr als 200 Kommunen genutzt. Im dokumentierten Kundenprojekt der Stadt Bergisch Gladbach sank die Meetingdauer beispielsweise von 60 auf 15 Minuten.
Was ist digitale Transformation? Definition
Die digitale Transformation beschreibt den Wandel von analogen Prozessen, Strukturen und Dienstleistungen hin zu digitalen Lösungen. Außerdem soll auch die Arbeitsweise neu gedacht werden, indem traditionelle und hierarchische Abläufe mit dem Einsatz digitaler Technologien verbessert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger.
In der öffentlichen Verwaltung umfasst das insbesondere:
- digitale Verwaltungsleistungen
- automatisierte und standardisierte Prozesse
- digitale Akten und Dokumentenmanagement
- moderne Fachverfahren
- medienbruchfreie Datenübertragung
- klare digitale Zuständigkeiten
- ortsunabhängige Zusammenarbeit
- nutzerzentrierte Verwaltungsangebote
- eine veränderte Führungs- und Organisationskultur
Ziel ist es also, Prozesse zu beschleunigen, Transparenz zu schaffen und Zugang zu benutzerfreundlicheren Diensten anzubieten.
Was unterscheidet Digitalisierung und digitale Transformation
Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Veränderungstiefen. Hier einmal die Unterschiede im Überblick:
| Digitalisierung | Digitale Transformation |
| Analoge Informationen werden digital | Der gesamte Prozess wird neu gestaltet |
| Bestehender Ablauf bleibt weitgehend bestehen | Arbeitsschritte werden hinterfragt |
| Einzelne Software wird eingeführt | Systeme, Rollen und Prozesse greifen ineinander |
| Fokus auf Technik | Fokus auf Technik, Organisation und Menschen |
| Beispiel: Papierakte wird zur E-Akte | Beispiel: kompletter Antragsprozess wird medienbruchfrei |
Was verlangt das Onlinezugangsgesetz (OZG) aktuell?
Das OZG trat 2017 in Kraft und dient als rechtliche Grundlage für Modernisierungsprojekte der öffentlichen Verwaltung. Die eigentliche Frist für die Umsetzung, Ende 2022, konnte aus verschiedenen Gründen nicht eingehalten werden.
Daher gilt seit Juli 2024 das OZG-Änderungsgesetz, auch OZG 2.0 genannt. Mit dem Ziel, die Digitalisierung zu beschleunigen. Um das zu erreichen, wurde festgehalten, dass
- Anträge sollen digital eingereicht werden können, die Schriftform soll abgeschafft werden.
- das Once-Only Prinzip in Ämtern gilt: Wichtige Dokumente müssen nur einmal vorgelegt werden und sind danach digital abrufbar.
- unternehmensbezogene Verwaltungsleistungen nach 5 Jahren nur noch elektronisch erfolgen (Digital only).
- innerhalb von zwei Jahren einheitliche Standards entstehen sollen.
- die Ende-zu-Ende-Digitalisierung von der Beantragung bis zum Bescheid wirken soll.
Dies ist jedoch lange nicht der einzige rechtliche Rahmen, der die ÖV betrifft. Auch das Digital-Gesetz und das Bürokratieentlastungsgesetz streben die Digitalisierung der Verwaltung an.
Weitere Details findest Du in dem Dokument des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI)
👉 Upgrade für ein Digitales Deutschland ist da: Das OZG-Änderungsgesetz tritt in Kraft (bmi.bund.de)
Welche digitalen Strategien funktionieren in der öffentlichen Verwaltung?
- Zentraler Eingangskanal (ZEK): Der ZEK ist dafür, dass die Transformationsakteure sich miteinander vernetzen können. Das können Führungskräfte in der Verwaltung sein, Chief Digital Officers oder technische Fachkräfte. So soll ein gemeinsames Wissensmanagement und der Austausch gefördert werden. Dadurch sollen Transparenz entstehen und die Verwaltungstransformation unterstützt werden.
- GovLabDE: Das GovLabDE ist eine Zusammenarbeitsplattform zur Unterstützung für gemeinsame und themenübergreifende Projekte der Bundesministerien. Es gibt drei Hauptbereiche, in denen unterstützt wird:
- Infrastruktur: Angebote von technischer Infrastruktur (z.B. Softwarelösungen, passende Räumlichkeiten etc.)
- Methodenexpertise: Vermittlung von Techniken wie Design Thinking, Arbeiten in Sprints und Schulungen von Verwaltungsangestellten
- Personalressourcen: Mangelt es an Expertise in der eigenen Abteilung, können Fachpersonen hinzugezogen werden
- Personal in der digitalen Verwaltung (PersDiV): Dieses Netzwerk ist eine interministerielle Arbeitsgruppe und verbindet die obersten Bundesbehörden miteinander. So soll ein ressortübergreifender Austausch stattfinden.
📚 Lesetipps zum Thema
Welche Herausforderungen bremsen die digitale Transformation in der ÖV?
Die digitale Transformation bringt der öffentlichen Verwaltung zahlreiche Herausforderungen, die einen umfassenden und koordinierten Ansatz erfordern.
Was muss beim Datenschutz und der IT-Sicherheit beachtet werden?
Eine der größten Herausforderungen ist der Schutz von sensiblen Daten: Behörden verwalten eine Menge personenbezogener Daten, die besonders geschützt werden müssen. Daher ist die Einhaltung der Datenschutzstandards von besonderer Bedeutung. Wenn digitale Tools und Software eingesetzt werden, sollten diese also die Anforderungen erfüllen und standhaft gegen Cyberangriffe sein. Ein unzureichendes Sicherheitssystem kann das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger schwächen und hohe Kosten durch Datenlecks verursachen.
Wie können Behörden Personalmangel händeln?
Um Digitalisierungsprozesse voranzutreiben, braucht es ausreichendes, geschultes Personal. Gerade im öffentlichen Dienst ist das ein bekanntes Problem. Denn viele Verwaltungsstellen kämpfen mit einem Mangel an digitalen Kompetenzen, was die Implementierung und Pflege neuer Tools und Systeme erschwert. Daher sind Weiterbildungen und Schulungen unverzichtbar, um den digitalen Wandel voranzutreiben und Ressourcen gezielt einzusetzen.
Wie lassen sich starre Hierarchien überwinden?
Digitalisierung ist nicht nur das bloße Nutzen von digitalen Tools, auch die Arbeitsorganisation muss umgekrempelt werden. Starre Hierarchien und Strukturen funktionieren oft nicht mehr. In vielen Verwaltungsbereichen ist dies allerdings heute noch der Fall – und Veränderungen wird oft Skepsis entgegengebracht. Wichtig ist es daher, die Mitarbeitenden ins Boot zu holen. Dabei ist es essentiell, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Digitalisierung und das Anbieten geeigneter Schulungen und Anreize zu schaffen.
Wie können unterschiedliche digitale Voraussetzungen ausgeglichen werden?
Neben den unterschiedlichen Startbedingungen innerhalb der Behörden, Ämter und Verwaltungen, ist auch die digitale Infrastruktur in Deutschland nicht flächendeckend und gleichmäßig ausgebaut. Diese Unterschiede erschweren die Umsetzung und führen dazu, dass einige Städte und Gemeinden abgehängt werden. Eine flächendeckende Versorgung mit leistungsfähiger digitaler Infrastruktur ist daher eine Grundvoraussetzung, um eine gleichberechtigte digitale Verwaltung zu ermöglichen. Dabei steht die Barrierefreiheit im Fokus.




