Schulbehörden, Ihr seid gefragt: Wie geht digitale Bildung?

Digitale Bildung bietet neue Möglichkeiten für Schulen. DigitalPakt – einfach erklärt ✔︎ Vorteile ✔︎ Herausforderungen im Unterricht.

Modernes Lernen mit digitaler Infrastruktur

Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis mit vielen Knackpunkten verbunden: Ein stabiles Internet und WLAN in allen Klassenräumen, Dienstlaptops bzw. iPads für Lehrkräfte, funktionierende Hard- & Software für Schülerinnen und Schüler…

…und vor allem ein Unterricht, der klassische Unterrichtsphasen mit digitaler Lehre sinnvoll verbindet und echte Mehrwerte schafft. Das sind nur einige Bereiche, die bei der Digitalisierung an Schulen eine wichtige Rolle spielen.

Spätestens seit der Corona-Pandemie macht die Digitalisierung vor kaum einem Lebensbereich halt. Home Office und Remote Work sind zur Selbstverständlichkeit geworden und haben auch die Öffentliche Verwaltung und das Bildungswesen erreicht. Homeschooling und Wechselunterricht zeigen die Dringlichkeit einer umfassenden Digitalisierung – auch an Schulen – und führen oft schonungslos vor Augen, was in der Vergangenheit versäumt wurde.

  1. Ein aktueller Blick ins Klassenzimmer
  2. Herausforderungen der Verwaltung meistern!
  3. Digitaler Schulalltag – Beispiele aus der Praxis
  4. Digitale Bildung: als Chance begreifen!
  5. Vorteile digitaler Lehre

1. Ein aktueller Blick ins Klassenzimmer

Mittlerweile wachsen Kinder ganz selbstverständlich mit digitalen Medien und virtuellen Welten auf. Hiervor darf sich der schulische Unterricht spätestens seit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz von Dezember 2016 nicht verschließen, sondern es – ganz im Gegenteil – als Chance begreifen, einen wertvollen Beitrag zu leisten: Schülerinnen und Schüler im Umgang mit digitalen Medien begleiten und entscheidende Schlüsselqualifikationen entwickeln.

Laptop Hände Menschen
Digitale Lehre kann an den Lernenden angepasst werden

Der “Feind” scheint in den technischen Voraussetzungen zu lauern: Laut Statista haben etwa nur 36 Prozent der Schulen in Deutschland einen Zugang zu schnellem Internet und WLAN.

Die Bewährungsprobe: Durch den Distanzunterricht ist die Digitalisierung an Schulen nun nicht mehr zu umgehen. Besonders für Lehrkräfte bieten sich neue Chancen und Herausforderungen einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln – allen technischen Hürden zum Trotz.

Der Begriff “Digitale Schule” beschreibt den Einsatz digitaler Medien im schulischen Gesamtprozess und kann als Teil einer digitalen Kommune verstanden werden. Auch die Veränderung im Hinblick auf das allgemeine Bildungsziel, wird laufend erfasst. Die Kompetenz, sich Wissen selbst anzueignen und kreative Lösungen bei Problemen zu entwickeln, wird immer bedeutender.

Bevor digitale Bildung überhaupt möglich ist, müssen allerdings zunächst die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu zählt flächendeckendes, schnelles WLAN, Tablets für Schülerinnen und Schüler, interaktive Whiteboards bzw. Smartboards für alle Klassenzimmer und passende Tools, um Lehrmaterialen vorzubereiten.

Bildungseinrichtungen stehen vor der gewaltigen Aufgabe, Zuständigkeiten, Finanzierungen, Auswahl der technischen Ausstattung und digitale Medien sinnvoll in den Unterricht einzubinden und im laufenden Schulbetrieb zu administrieren.

2. Herausforderungen der Verwaltung meistern!

Die unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern durch den Bildungsföderalismus erleichtern die Verwaltungsaufgaben nicht unbedingt. Gerade im Sektor “Schule” gibt es keine einheitlichen Verfahren. Die Folge: Es können digitale Lösungen anderer Bundesländer zu Problemen führen, die von Beginn an eingeplant werden müssen.

Was ist der DigitalPakt Schule?

Der DigitalPakt der Bundesregierung soll Schulen genau dabei helfen und sie unterstützen, die Digitalisierung vor Ort voranzutreiben. Konkret stehen allen Bundesländern hierfür etwa 7 Milliarden Euro zur Verfügung.

Ziel ist der Aufbau einer flächendeckenden digitalen Bildungsinfrastruktur. Alle Schulen sollen eine umfassende Digitalisierung erhalten, die ein modernes, digitales Lernformat ermöglicht. Allerdings wird es Schulen – durch eine komplizierte und aufwendige Antragsstellung – zum Teil erschwert, überhaupt erst an dieses Geld zu kommen.

Doch technische Voraussetzungen sind nur ein Baustein: Neben einer optimalen Hardware und Software kommt es vor allem auf qualifizierte Lehrkräfte an, die in puncto Digitalisierung ein gewisses Know-how besitzen.

Digitalisierung wird eben nicht nur mit einer geeigneten technischen Ausstattung umgesetzt, sondern vielmehr durch passende pädagogische Konzepte. Mit der richtigen Lerninfrastruktur soll das Lernen zukünftig mithilfe digitaler Medien und kollaborativem Arbeiten online – zum Beispiel auch im Distanzunterricht – leichter fallen.

Onlinezugangsgesetz: Digitale Verwaltung im Bildungsbereich

Im Bereich Bildung werden in den kommenden Jahren sämtliche Ergebnisse der öffentlichen Verwaltungstätigkeit digitalisiert – das plant zumindest das Onlinezugangsgesetz. Nachdem Bund, Länder und Kommunen ihre Verwaltungsdienstleistungen zunehmend digitalisieren, gehen bald die ersten Projekte in der digitalen Bildung in die Pilotphase, wie zum Beispiel eine Online-Plattform für Schulzeugnisse. Durch dieses Gesetz soll die digitalisierte Bildung jedem Menschen zugänglich gemacht werden.

Schüler Laptop Unterricht
Alle Schüler und Schülerinnen sollen Zugang zu digitaler Bildung bekommen.

Mit der Digitalisierung ist es nicht getan

Wo WLAN zur Verfügung steht, sind allerdings Social Media-Plattformen bzw. Dienste wie YouTube, Instagram und TikTok nicht weit. Die Verlockung ist groß: Schülerinnen und Schüler schicken sich Videos oder schreiben in einem gemeinsamen Chat Inhalte, die von den eigentlichen Lerninhalten ablenken. Lehrkräfte haben hier die für sie “neue” Aufgabe, Kommunikations- und Informationstechnologien einzusetzen und zusätzlich die Grenzen & Risiken abzuschätzen bzw. im Notfall einzugreifen.

Gerade die Datenschutz-konforme und Jugendschutz-gerechte Nutzung ist eine Herausforderung, damit Schülerinnen und Schüler auch außerhalb der Schule verantwortungsvoll mit entsprechenden Tools und in digitalen Netzwerken umgehen.

Nicht nur die Ausstattung muss sich also der Zeit anpassen, sondern auch die Lernmethoden. Erst kürzlich jedoch berichtete Zeit Online von dem Mangel an Fortbildungen für Lehrkräfte gerade zum Themenfeld Digitalisierung. Der Ball liege hierbei auf dem Feld der Politik. Sie müsse gute, berufsbegleitende und nachhaltige Lehrerfortbildungen anbieten, sie langfristig finanzieren und zudem wissenschaftlich begleiten, so die Erziehungswissenschaftlerin Susanne Lin-Klitzing.

Schulunterricht
Viele Lehrkräfte wünschen sich bessere Fortbildungsmöglichkeiten.

3. Digitaler Schulalltag – Beispiele aus der Praxis

Dass es sich lohnt, in die Digitalisierung von Schulen zu investieren und Behörden mit der nötigen Unterstützung dazu in der Lage sind, die Transformation zu begleiten, zeigt sich an einigen Erfolgsbeispielen.

Digitales Schwarzes Brett in Niedersachsen

In der Oberschule Bruchhausen-Vilsen nutzen Schülerinnen, Schüler und Lehrer schon seit einigen Jahren das digitale Schwarze Brett. Es werden nicht nur Vertretungspläne online gestellt, auch wichtige Informationen können kurzfristig schnell verbreitet werden. Außerdem dient die Plattform als wichtiger Kommunikationskanal.

Zusätzlich zum digitalen Schwarzen Brett steht den Schülern die DSBmobile-App zur Verfügung, auf der, wie in der Schule, alle relevanten Informationen schnell abgerufen werden können. Der Vorteil: Papier wird eingespart und Änderungen können per Klick vorgenommen werden.

Eine App für alle Kölner Schulen

Die Stadt Köln in Nordrhein-Westfalen fährt ein gemeinsames Konzept: Die von der Stadt entwickelte App KIKS richtet sich an alle 267 Kölner Schulen. Neben allgemeinen Informationen, sollen auch Arbeitsunterlagen und andere Materialien verteilt sowie Nachrichten-Kanäle erstellt werden können, die herkömmliche Messanger-Dienste ersetzen sollen.

„Eine Alternative zum WhatsApp-Verbot muss für die Schulen angeboten werden, mit der die private und schulische Kommunikation getrennt werden kann“, so der Kölner Stadtdirektor Stephan Keller.

Cloud-Lösung an Halterner Schulen in NRW

In der Corona-Pandemie waren die Schulen teilweise wochenlang geschlossen. Ohne den Einsatz digitaler Medien wäre der Unterricht nicht möglich gewesen. Die Halterner Realschule hat die Digitalisierung bereits vor der Krise vorangetrieben, sodass der Umstieg schnell und größtenteils problemlos gelang. Über die Plattform schul.cloud wurden Arbeitsmaterialien ausgegeben und eine direkte Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern sowie Klassen und Fachbereichen konnte stattfinden.

Schulkind jubelt vor Laptop
Mit digitaler Bildung zum Erfolg

4. Digitale Bildung: Als Chance begreifen!

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Digitalisierung ein wesentlicher Bestandteil unseres Alltags ist. Auch bzw. gerade das digitale Lernen hat eine neue Bedeutung und Gewichtung bekommen, sodass digitale Hausaufgaben, Tests und virtuelle Räume für Schülerinnen und Schüler – aber auch für Lehrerinnen und Lehrer – zunehmend zur “Normalität” werden.

Bereits vor der Corona-Pandemie haben vor allem Hochschulen Lehrmaterialen immer häufiger digitalisiert. Auf der Plattform Moodle finden Studierende zum Beispiel Unterlagen aus Vorlesungen und Übungen, sodass ein Kurs einfach aufgearbeitet werden kann, ohne immer anwesend sein zu müssen. Und das nicht ohne Grund:

Digitale Bildung bietet nämlich die große Chance, bereits jungen Menschen einen “intelligenten” Umgang mit digitalen Medien näher zubringen, der spätestens im beruflichen Alltag eine Grundvoraussetzung ist. Es entstehen neue Wege, Wissen zu vermitteln – das kommt zudem unterschiedlichen Lerntypen entgegen. Zusätzlich wird eine schnelle Zusammenarbeit ermöglicht, die Schülerinnen und Schüler auch von Zuhause aus vernetzt. Durch die einfache Fehlerbehebung sind Lerninhalte außerdem immer auf dem aktuellsten stand.

5. Vorteile digitaler Lehre

Wer jetzt noch davon überzeugt werden muss, dass die digitale Lehre nachhaltige Bildungsvorteile verschafft, findet mit diesen Argumenten sicherlich den letzten Anstoß:

  1. Personalisiertes Lernen: Lernende bauen mithilfe eines Tools Wissen auf dem passenden Niveau auf. Der individuelle Lernprozess wird gefördert, sodass auch bei Schwierigkeiten genügend Möglichkeiten bleiben, weiterführende Aufgaben zu bearbeiten.
  2. Zeit- und ortsunabhängig Lernen: Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, an verschiedenen Orten zu jeder Zeit Lernmaterialien zu bearbeiten oder nachzuholen.
  3. Alle Lerninhalte auf einem Gerät: Durch die Nutzung von Tablets werden Bücher, Hefte und Blöcke ersetzt. Schwere Schultaschen gehören damit zur Vergangenheit. Alle Unterrichtsmaterialen befinden sich an einem digitalen Ort – bei einem spontanen Unterrichtsausfall kann beispielsweise in jedem beliebigen Fach weitergearbeitet werden.
  4. Einfache Begleitung Lernender: Durch die digitale Erfassung sehen Lehrkräfte schnell, auf welchem Stand sich ein Schüler aktuell befindet. Gerade Schwächere können mit individuellen Lehrmöglichkeiten gefördert werden.
  5. Lernen basierend auf Projekten: Schon in der Schule werden Fähigkeiten im organisatorischen und kollaborativem Arbeiten vermittelt und grundlegende Methoden im Zeitmanagement erlernt.

Ein Nachteil bei der flächendeckenden Umsetzung könnte sich zwar aus einer länderübergreifenden Lösung ergeben, da Schulen in unterschiedlichen Bundesländern andere Voraussetzungen und Regelungen haben. Trotzdem sind Schulen auf einem guten Weg, zukünftig mit digitalen Werkzeugen wie E-Learning zeitgemäßen Unterricht zu gestalten.

? Lese-Tipps zum Thema “Digitale Schule”

Hat Dir dieser Artikel gefallen? Gerne kannst Du den Beitrag hier bewerten:
[Anzahl: 31 Durchschnitt: 5]