Fünf Fragen an Michael Klamerski

Mit factro spricht Michael Klamerski über Collaboration Tools und wie mit transparenter Kommunikation aus dem Home Office geführt wird.

Michael Klamerski im factro Interview

Experten teilen Ihr Know-How

Unsere Interview-Reihe “Fünf Fragen an” geht heute in die nächste Runde. Hier stehen Experten zu den Themen “Collaboration”, “digitale Zusammenarbeit” und “New Work” Rede und Antwort mit Tipps, Erfahrungen und einem Blick in die Zukunft.

Heute im Gespräch: Michael Klamerski. Er ist als Leiter im Marketing und Vertrieb im Bereich Digitales Lernen bei WEKA Media beschäftigt und leitet darüber hinaus alle Marketing- und Vertriebsaktivitäten der Social Media Akademie.

factro: Was sind für Dich die entscheidenden und unmittelbaren Mehrwerte digitaler Zusammenarbeit? Warum sollten Unternehmen und Organisationen dieses Thema besser sofort als später angehen?

Michael Klamerski: Ich kann mein Team ortsunabhängig organisieren und steuern. Gerade in der aktuellen Zeit sind gute Mitarbeiter schwer zu bekommen. Wenn ich hierbei noch darauf bestehe, dass ein neuer Mitarbeiter ggf. seinen Lebensmittelpunkt für einen Job wechselt, werde ich es in Zukunft noch schwerer haben, die passenden Mitarbeiter zu finden.


factro: Wenn ich Teamarbeit digitalisieren möchte, komme ich an Tools und Apps nicht vorbei. Worauf muss ich bei der Auswahl der richtigen Lösungen besonders achten? Was ist nur Kosmetik?

Michael Klamerski: 
Definitv ein Tool wie MS Teams zur Kommunikation – und zwar nicht nur via Chat sondern vor allem via Stimme und am Besten via Bild. Dazu benötigt es in meinen Augen auch noch eine brauchbare, digitale Dateiablage, auf die die Mitarbeiter ortsungebunden Zugriff haben.

Ein Projektmanagementtool im Unternehmen kann sinnvoll sein, wenn es korrekt genutzt wird. Leider sehe ich in der Praxis oft, dass selbst in gleichen Unternehmen die verschiedensten Tools genutzt werden. Das macht es für die Nutzer schwierig, da jedesmal eine Umstellung erfolgen muss. Das kann die Akzeptanz deutlich schmälern.


factro: Was ist Deiner Ansicht nach die größte Herausforderung bei der Einführung eines Collaboration Tools?

Michael Klamerski: Die Schulung der Mitarbeiter und ein Kommunikationskonzept bzw. Richtlinien. Das beste Tool nutzt nicht, wenn es nicht genutzt wird oder falsch. Die Mitarbeiter sollten klar wissen, wie gearbeitet wird, welche Tasks wo erledigt werden und welche Erwartungshaltung an Sie gestellt wird.

Ein gutes Beispiel ist die Erreichbarkeit – gerade im Homeoffice, aber auch das Notification Management. Man muss nicht immer für alle erreichbar sein, gerade Chatnachrichten und Anrufe können einen sonst aus der Konzentration reißen. Hier ist es durchaus legitim, offline zu gehen und die Nachrichten danach zu beantworten. Selbstbestimmtes Arbeiten ist hier in meinen Augen sehr wichtig. Viele neigen durch Tools wie Slack, MS Teams etc. dazu, sich fremd steuern zu lassen.

Ein Mann arbeitet aus dem Home Office

factro: Kein Tool ersetzt ein starkes Team. Wo stößt Software an Grenzen?

Michael Klamerski: Die Stimmung in einem Team kann durch Tools nicht erfasst werden. Der persönliche Kontakt ist nach wie vor wichtig. Klar gibt es Umfragetools zur Stimmungserfassung, diese helfen in meinen Augen aber nur bedingt.

Im Büroalltag bekommt man als Führungskraft viel besser mit, ob es neben dem gesprochenen Wort noch weitere, ggf. negative Schwingungen auf der nichtverbalen Ebene gibt. Darum finde ich Videocalls sehr wichtig, diese sind hier noch einmal deutlich persönlicher als ein reines Telefonat.

Dennoch muss ich mir gerade in der aktuellen Zeit als Führungskraft die Zeit nehmen, um mit allen meinen Teammitgliedern regelmäßig in den persönlichen Austausch zu gehen, und zwar nicht nur zu fachlichen Themen. Wie ist die Situation zu Hause, wie geht es dir im Homeoffice, wie kommst du klar – diese Fragen sollten besprochen werden.



factro: Was macht einen Digital Leader aus und welche Kompetenzen muss er/sie mitbringen oder entwickeln?

Michael Klamerski: Neben der fachlichen Komponente und dem generellen “Digitalen Mindset” sind aktuell in meinen Augen besonders Softskills im Umgang mit Mitarbeitern gefragt. Zum einen muss ich mein Team abholen und klare Strukturen schaffen – auch gegen eventuelle Widerstände – zum anderen muss ich bei rein digitalen Teams deutlich mehr dafür tun, dass das Team als Gemeinschaft funktioniert und ich keinen Haufen an Einzelkämpfer habe.

In meinen Augen muss hier der Mitarbeiter als Person selbst wahrgenommen werden. Und natürlich spielen die privaten Belange der Mitarbeiter eine große Rolle: Ich muss hier deutlich sensibler sein, damit ich ggf. aufkommende Probleme schnell erkenne und gemeinsam mit der Person eine gute Lösung finde. Darüber hinaus muss ich als “Digital Leader” Up to Date bleiben und dafür sorgen, dass wir unsere existierenden Tools möglichst effektiv und einfach nutzen. Ich möchte meinem Team die Arbeit durch Tools erleichtern und nicht erschweren.


Über Michael Klamerski:
Michael Klamerski ist als Leiter Marketing und Vertrieb im Bereich Digitales Lernen bei WEKA MEDIA GmbH & Co. KG beschäftigt und leitet darüber hinaus alle Marketing- und Vertriebsaktivitäten der Social Media Akademie. Einen hohen Fokus legt er auf die effektive, KPI-basierende Zusammenarbeit von Marketing – und Vertriebseinheiten, um gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Mit Stillstand fühlt Michael sich nicht wohl – durch seine ausgeprägte Hands-On Mentalität bringt er neue Ideen schnell auf die Straße, um diese direkt zu testen. Neben dieser Tätigkeit ist er als freiberuflicher Consultant im Bereich Digitales Marketing, Digital Sales und Projektmanagement tätig und hat diverse Ausflüge in verschiedene unternehmerische Bereiche gemacht (u.A. Modebranche, Medienbranche und Musikbranche) In seiner freien Zeit verbringt er bei gutem Wetter viel Zeit auf dem Rennrad oder Mountainbike.

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