Lean Management

Was ist Lean Management?

Lean Management bezeichnet einen Führungs- und Organisationsansatz, der Prozesse konsequent auf Kundennutzen ausrichtet, Verschwendung reduziert und kontinuierliche Verbesserung im Arbeitsalltag verankert. Ziel ist es, mit weniger Reibung mehr Wert zu schaffen – in Projektarbeit, Verwaltung und Co.

Was bedeutet „Lean“ im Projektkontext?

„Lean“ steht sinngemäß für schlank: Abläufe werden so gestaltet, dass sie nur das enthalten, was tatsächlich Wert erzeugt. Alles, was Aufmerksamkeit, Zeit und Geld bindet, ohne das Ergebnis zu verbessern, wird systematisch identifiziert und minimiert. Im Projektumfeld heißt das: kurze Durchlaufzeiten, klare Prioritäten und Rückfragen durch transparente Arbeitsflüsse.

Der Kern: Wert schaffen statt beschäftigt sein

Ein Missverständnis ist: „Lean“ bedeutet vor allem „schneller arbeiten“. In der Praxis geht es vielmehr um besseres Arbeiten: unnötige Schleifen vermeiden, Entscheidungen beschleunigen und Arbeit so organisieren, dass Teams liefern.

Grundprinzipien: So funktioniert der Ansatz

1. Wert aus Kundensicht definieren

Was ist das gewünschte Ergebnis – intern oder extern?

2. Wertstrom verstehen

Welche Schritte tragen wirklich zum Ergebnis bei (und welche nicht)?

3. Fluss schaffen

Übergaben, Wartezeiten und Blocker reduzieren, damit Arbeit „fließt“.

4. Pull statt Push

Arbeit wird nach tatsächlicher Kapazität gezogen, nicht „oben drauf“ gepackt.

5. Kontinuierlich verbessern

Kleine, regelmäßige Optimierungen statt seltener Großprojekte.

Typische Verwendung in Projekten und Büroprozessen

Viele Lean-Ansätze nutzen die Logik: Verschwendung sichtbar machen und aktiv abbauen. Besonders häufig in Wissensarbeit:

  • Wartezeiten: Freigaben, fehlende Infos, Abhängigkeiten.
  • Überproduktion: Berichte, Features oder Dokumente, die niemand nutzt.
  • Nacharbeit: unklare Anforderungen, Qualitätsprobleme, Missverständnisse
  • Kontextwechsel: Zu viele parallele Aufgaben, ständiges „Umschalten“
  • Unnötige Abstimmungen: Meetings ohne Entscheidungen oder fehlende Agenda

💡 Praxistipp: Verschwendung ist oft ein Systemproblem

Wenn Teams „zu langsam“ wirken, liegt die Ursache nicht an fehlendem Einsatz, sondern an schlecht gestalteten Rahmenbedingungen: unklare Verantwortlichkeiten, zu viele Prioritäten oder fehlenden Standards.

Bewährte Methoden und Werkzeuge

Der Ansatz ist kein starres Methodenpaket, sondern ein Werkzeugkasten. Je nach Kontext eignen sich unterschiedliche Bausteine:

1. Visualisierung & Steuerung

  • Kanban-Boards: Arbeit sichtbar machen, Engpässe erkennen, WIP begrenzen.
  • Work-in-Prozess-Limits (WIP): Weniger Parallelität, bessere Lieferfähigkeit.
  • Daily/Weekly Check-ins: Kurz, fokussiert, blockerorientiert.

2. Standardisierung & Qualität

  • Standard Work: „Best known way“ als Ausgangspunkt für Verbesserungen.
  • Definition of Done/Qualitätskriterien: Klarheit reduziert Nacharbeit.
  • Poka Yoke (Fehlervermeidung): Prozesse so bauen, dass Fehler schwer passieren.

3. Verbesserungssysteme

  • Kaizen/KVP: Regelmäßige kleine Verbesserungen im Team.
  • Retrospektiven: Lernen aus der Arbeit, nicht nur über die Arbeit reden.
  • Root Cause Analysis: Ursachen beheben statt Symptome.

So startest Du schlank: Ein pragmatisches Vorgehen

  • Prozesse wählen: Nimm einen Ablauf mit einem spürbaren Schmerz
  • Ist-Zustand visualisieren: Schritte, Wartezeiten, Übergaben – ohne Beschönigung
  • Engpass identifizieren: Wo staut es sich? Wo entstehen Rückfragen oder Nacharbeit?
  • Eine Maßnahme testen: z.B: WIP-Limit, klare Entscheidungskriterien, kürzere Review-Zyklen
  • Wirkung messen: Durchlaufzeit, Qualität, Planbarkeit, Zufriedenheit

💡 Messgrößen, die in der Praxis helfen

Durchlaufzeit: Von Start bis Fertigstellung
Lieferzuverlässigkeit: Wie häufig werden Zusagen eingehalten?
Fehlerquote/Nacharbeit: Wie oft muss etwas erneut gemacht werden?
Team-Fokus: Wie viele parallele Aufgaben sind aktiv?

Fazit

Lean Management unterstützt dabei, Arbeit besser zu strukturieren, Engpässe zu reduzieren und Teams verlässlicher liefern zu lassen. Der größte Hebel liegt meist nicht in „mehr Tempo“, sondern in kontinuierlicher Verbesserung und Prioritäten – Schritt für Schritt, messbar und praxisnah.

 

 

 

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Clara-Marie Entian

recherchiert und schreibt für den factro Blog über aktuelle Themen und Entwicklungen im Bereich Projektmanagement.