Fünf Fragen an Heike Bauer

New-Work-Expertin Heike Bauer spricht im factro Interview über virtuelle Zusammenarbeit, Digital Leadership und die Zukunft der Arbeitswelt.

Heike Bauer im Interview mit factro

Experten teilen Ihr Know-How

Unsere Interview-Reihe “Fünf Fragen an” geht heute in die nächste Runde. Hier stehen Experten zu den Themen “Collaboration”, “digitale Zusammenarbeit” und “New Work” Rede und Antwort mit Tipps, Erfahrungen und einem Blick in die Zukunft.

Heute im Gespräch: Heike Bauer. Sie unterstützt Unternehmen dabei, in eine neue, digitale Arbeitswelt einzutreten und New Work zu etablieren. Sie ist u.a. Mitautorin und -Initiatorin der Studie “Arbeitswelt 4.0: Als KMU die Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich gestalten” der Fachhochschule Nordwestschweiz.

factro: Was sind für Dich die entscheidenden und unmittelbaren Mehrwerte digitaler Zusammenarbeit? Warum sollten Unternehmen und Organisationen dieses Thema besser sofort als später angehen?

Heike Bauer: Die Art und Weise, wie wir in Zukunft arbeiten, wird sich in den nächsten Jahren vollkommen verändern und das in einer Geschwindigkeit, die, seitdem es Lohnarbeit gibt, noch nicht da gewesen ist.

Die Situation, in der wir seit März 2020 leben, hat lediglich den letzten Anschub gegeben und uns nochmal mehr die Notwendigkeit vor Augen geführt, dass sowohl Unternehmen als auch Organisationen endlich flexibel und agil werden müssen.

Das beinhaltet auch die Einführung neuer und zeitgemäßer Arbeitsmodelle und demzufolge muss auch die technologische Unterstützung in jeglicher Richtung angepasst werden.


factro: Wenn ich Teamarbeit digitalisieren möchte, komme ich an Tools und Apps nicht vorbei. Worauf muss ich bei der Auswahl der richtigen Lösungen besonders achten? Was ist nur Kosmetik?

Heike Bauer: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Ich empfehle immer eine übersichtliche Software, die modular erweitert werden kann und das Gleiche gilt auch für sonstige Applikationen. Je nach Anforderung und Projekt, kann ein Überangebot an Auswahl von Anwendungsmöglichkeiten schnell zum Zeitfresser werden. Viele Mitarbeitende fühlen sich ohnehin bereits durch die Einführung einer neuen Software überfordert.

Business Team trifft sich und bespricht Aufgaben im Projektmanagement


factro: Was ist Deiner Ansicht nach die größte Herausforderung bei der Einführung eines Collaboration Tools?

Heike Bauer: Allem vorweg ist und bleibt die größte Herausforderung die Akzeptanz der Mitarbeitenden für ein neues Tool. In den meisten Unternehmen werden diese Entscheidungen immer noch allein seitens der Geschäftsführung und IT entschieden, wobei “normale Angestellte” damit überrollt werden und ihre Belange nicht einbringen können.

Ich erlebe es nicht selten, dass Mitarbeitende noch lange nach Einführung einer neuen Software weiter in ihrem alten System arbeiten, bis der Tag X kommt, an dem das zufällig auffällt. Durch die fehlenden Daten und Ablagen ist die Nachpflege ein enormer Zeitaufwand und somit auch sehr kostenintensiv. Hier kommt dann auch der psychische Druck hinzu, denn das ständige Umschiffen der Aufgaben mit der Gewissheit, dass das irgendwann jemand aufdeckt, ist nervenaufreibend.

Ich glaube, dass diese weitreichenden Konsequenzen den wenigsten bewusst sind. Deshalb ist es im Endeffekt nicht nur wesentlich billiger, gleich im Vorfeld mit allen Abteilungen die Notwendigkeiten und einen großzügigen Einführungsplan zu erarbeiten, sondern aus meiner Erfahrung kann ich versprechen, dass sich das auch positiv an der Krankentage-Statistik bemerkbar machen wird. Also, die weiteren Herausforderungen sind eine saubere Datenübertragung und die Befähigung der Mitarbeitenden.


factro: Kein Tool ersetzt ein starkes Team. Wo stößt Software an Grenzen?

Heike Bauer: Ich kann das nur wiederholen: Nichts kann ein starkes Team ersetzen. Digitale Tools sind unterstützend und nicht substitutiv.


factro: Was macht einen Digital Leader aus und welche Kompetenzen muss er/sie mitbringen oder entwickeln?

Heike Bauer: Ich möchte den “digital Leader” eher als einen notwendigen Skill zu “New Leadership” bezeichnen und ans “digital Know-how” adressieren. Bezogen auf eine neue Führungskultur ist das auch in der Vorbildfunktion eine der wichtigsten Voraussetzungen für jede Person im Unternehmen, die den digitalen Wandel begleiten will. Jetzt sind wir wieder bei sehr vielen Fachbegriffen in Englisch, aber ihr habt angefangen. 😉


Über Heike Bauer:

Heike Bauer unterstützt Unternehmen auf dem Weg in eine neue, digitale Arbeitswelt, mit dem Instrument eines zeitgemässen NEW-WORK Ansatzes. Als Mitautorin und -Initiatorin der grossen Studie «Arbeitswelt 4.0: Als KMU die Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich gestalten» der Fachhochschule Nordwestschweiz setzt sie bei den Dimensionen People, Place, Technologie den Fokus auf kostbaren Wissenstransfer zwischen den Generationen und identifiziert Stolpersteine, die einen wirklichen Wandel verhindern.

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