Fünf Fragen an Hanno Lemoine

Mit factro spricht Hanno Lemoine von G DATA CyberDefense über Agile Zusammenarbeit und wie Tools & Teams zusammen mehr erreichen.

Hanno Lemoine im factro Interview

Experten teilen Ihr Know-How

Unsere Interview-Reihe “Fünf Fragen an” geht heute in die nächste Runde. Hier stehen Experten zu den Themen “Collaboration”, “digitale Zusammenarbeit” und “New Work” Rede und Antwort mit Tipps, Erfahrungen und einem Blick in die Zukunft.

Heute im Gespräch: Hanno Lemoine. Er ist wichtiger Impulsgeber für die Organisationsentwicklung bei G DATA CyberDefense und trägt die Verantwortung für ein Team aus Scrum Mastern und Agile Coaches.

factro: Du begleitest ein Unternehmen mit ca. 500 Mitarbeitern auf dem Weg zu einer agilen Organisation. Was macht für Dich agile Zusammenarbeit aus?

Hanno Lemoine: Ganz zentral sind für mich die gelebten Werte wie beispielsweise Selbstverpflichtung, Feedback und Respekt. Jeder verpflichtet sich gegenüber dem Team und sich selbst, das gesetzte Ziel zu erreichen. Das geht am besten, wenn es möglichst wenige externe Druckpunkte gib, zum Beispiel durch Vorgesetzte.

Bei G DATA sind wir dem Ansatz des Scrum Guides gefolgt und trennen Scrum Master und Product Owner von der disziplinarischen Führung. Das übernimmt eine neue Rolle, der People Lead. Alle Teammitglieder kommunizieren auf Augenhöhe miteinander und haben unterschiedliche Verantwortungsbereiche. So wird verhindert, dass aus den falschen Gründen wie „Angst“ oder „Vorsicht“ Entscheidungen getroffen werden.

Wichtig finde ich außerdem, die eingebrachten Perspektiven der anderen im Team wertzuschätzen und den offenen Austausch untereinander zu fördern. Denn wenn ich Vertrauen zu den anderen im Team habe, kann ich meine ehrliche Meinung einbringen.

Auch Konflikte und Reibungen helfen dabei, neue Lösungen zu finden und sich als Team weiterzuentwickeln. Meiner Erfahrung nach kommen die besten Entscheidungen zustande, wenn Verantwortlichkeiten geregelt und viele Perspektiven bei einer Lösung eingeflossen sind.


factro: Welche Rolle spielen Tools bei der Zusammenarbeit?

Hanno Lemoine: Tools sind bei der Zusammenarbeit sehr hilfreich. Aber man sollte sich immer fragen: Warum setze ich dieses Tool ein und was möchte ich damit erreichen? Um sich beispielsweise zu organisieren sind sie sehr nützlich.

Gerade jetzt bekommen Tools in der Arbeitswelt nochmal eine größere Bedeutung, da viele im Homeoffice arbeiten. Die Tools erleichtern die digitale Zusammenarbeit und schaffen Transparenz. Aber man sollte aufpassen und gut auswählen, welches Tool wann und warum notwendig ist. Der Zweck des Tools sollte zuvor ganz klar kommuniziert sein.


factro: Und was können Tools auf keinen Fall ersetzen?

Hanno Lemoine: Wenn wir einen sehr komplexen Bereich der Lösungsfindung haben, setzen wir Agilität ein, um mit dieser Komplexität umzugehen. Denken, experimentieren und Zusammenhänge aufdecken kann uns kein Tool abnehmen.

Bei komplexen Problemstellungen gibt es keine Vorhersagbarkeit, denn wir nähern uns durch agile Methoden iterativ dem Ziel an, bilden Thesen und machen Experimente. Tools könne dazu beitragen, Verständnis zu fördern und Lösungsfindungen zu erleichtern. Was sie nicht können, ist das Verstehen, den Sinn und den Prozess der Lösungsfindung zu ersetzen.

Damit meine ich auch, dass die Persönlichkeit jedes Einzelnen in den Prozess mit einfließt und es um Verantwortungsübernahme und Engagement geht. Tools bieten einen Raum, aber sie können den Gestaltungswillen nicht ersetzen.

Ein Bild von einem Interview


factro: Ein Tool ist nur gut, wenn es auch genutzt wird. Wie schaffen Unternehmen Akzeptanz für Tools?

Hanno Lemoine: Sie werden dann genutzt, wenn sie so aufgebaut sind, dass sie nicht ablenken und genau das können, was man gerade braucht. Damit meine ich folgendes: je nach Nutzen ist es wichtig zu entscheiden, ob ich Funktionsvielfalt oder wenig eigene Gestaltungsmöglichkeiten brauche.

Dann spielt entweder kreative Freiheit eine Rolle oder die Schlankheit des Tools hilft mir und dem Team, sich voll und ganz auf den Inhalt zu konzentrieren. Tools schaffen durchaus Zeitersparnis und ich denke, dass die Akzeptanz insgesamt in Unternehmen vorhanden ist.

Die Möglichkeit, auf Remote-Arbeit umzustellen, kam für viele Unternehmen im letzten Jahr plötzlich. Für den reibungslosen Wechsel ins Homeoffice haben uns Tools sehr geholfen.


factro: Welche Gefahren siehst du beim digitalen Arbeiten?

Hanno Lemoine: Stellt euch vor, ihr habt ein gut aufgesetztes Tool. Alle Mitarbeitenden kennen sich mit dem Tool aus, arbeiten konstant damit und viele Informationen sind darin gut aufbereitet.

Plötzlich funktioniert nichts mehr. Ihr habt keinen Zugriff mehr auf das Tool und kommt nicht an eure Daten. Klar, dass ist ein Worst-Case-Szenario, aber neben einem kurzen Ausfall kann auch ein Cyberangriff auf das Unternehmen schuld daran sein. Solche Szenarien sind noch nicht im Bewusstsein vieler Unternehmen angekommen.

Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen müssen die IT-Abteilungen mit den richtigen Partnern aktiv werden: alle Mitarbeitenden über Cyber Defense schulen, den Schutz überprüfen und Szenarien planen, so dass die Arbeit mit den digitalen Tools schnell wieder aufgenommen werden kann. Nur mit diesem Risikomanagement lohnt sich die Investition in digitale Tools wirklich.


Über Hanno Lemoine:

Hanno Lemoine ist wichtiger Impulsgeber für die Organisationsentwicklung bei G DATA CyberDefense und trägt die Verantwortung für ein Team aus Scrum Mastern und Agile Coaches.

Angefangen hat er als IT-Sicherheitsspezialist für Android und kennt auch die technischen Herausforderungen im Cyber-Security-Bereich. Heute unterstützt und gestaltet er die Organisationsentwicklung bei G DATA mit und ist davon überzeugt, dass Agilität der richtige Weg ist, um mit den Unsicherheiten und der schlechten Planbarkeit in der Gegenwart und Zukunft umzugehen.

Vor seiner beruflichen Karriere hat Hanno durch die Leitung von Jugendgruppen viel über Organisation, Gruppendynamiken und Kommunikation gelernt und sein Interesse für selbstorganisierte Teams entwickelt. Beim Wandern und auf dem Wasser tankt er neue Energie für Ideen und den Arbeitsalltag.

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