Fünf Fragen an Christian Müller

Im Gespräch mit factro spricht Christian Müller über den richtigen Umgang mit Collaboration Tools durch Kommunikation im Team.

Christian Müller im factro Interview

Experten teilen Ihr Know-How

Unsere Interview-Reihe “Fünf Fragen an” geht heute in die nächste Runde. Hier stehen Experten zu den Themen “Collaboration”, “digitale Zusammenarbeit” und “New Work” Rede und Antwort mit Tipps, Erfahrungen und einem Blick in die Zukunft.

Heute im Gespräch: Christian Müller. Er ist Co-Founder von OMR und beschäftigt sich aktuell mit dem Aufbau der Software-Bewertungsplattform OMR Reviews.

factro: Was sind für Dich die entscheidenden und unmittelbaren Mehrwerte digitaler Zusammenarbeit? Warum sollten Unternehmen und Organisationen dieses Thema besser sofort als später angehen?

Christian Müller: Ganz klar eine gewisse räumliche Flexibilität und teilweise auch eine große Zeitersparnis, wenn man bedenkt wie lange manche Kollegen morgens im Auto oder in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit sitzen. Die letzten 12 Monate haben uns gezeigt, dass die Tools schon da sind und wir als Unternehmer jetzt nachziehen müssen, unsere Organisationen für das New Normal fit zu machen.

Der Wandel vollzieht sich gerade mit enormer Geschwindigkeit und was vor einem Jahr noch für viele unvorstellbar erschien, ist heute schon gelebte Normalität. Bei OMR haben wir den großen Vorteil, dass wir als Digital-Firma mit überwiegend jungen Mitarbeitern die Nutzung von Cloud-Tools, Kollaborations-Software und mobilen Devices schon lange in unserem Standard-Repertoire hatten und daher die Umstellung nicht schwer fiel. Und wir merken mittlerweile auch: Das Thema wird bleiben.

Klar freuen wir uns alle, uns hoffentlich bald wieder physisch im Büro zu sehen, das macht schließlich einen wichtigen Teil unserer Kultur aus und wir sind fest davon überzeugt, dass es weiterhin wichtig und am produktivsten ist, dass wir einen Großteil der Zeit gemeinsam vor Ort zusammenarbeiten. Aber ich denke auch, dass wir an manchen Stellen auch die Vorteile zu schätzen gelernt haben und darauf wollen wir nicht mehr verzichten.


factro: Wenn ich Teamarbeit digitalisieren möchte, komme ich an Tools und Apps nicht vorbei. Worauf muss ich bei der Auswahl der richtigen Lösungen besonders achten? Was ist nur Kosmetik?

Christian Müller: Am Ende muss man, glaube ich, sehr genau verstehen, welche Tools und Features die Kollegen wirklich benötigen, um ihre Aufgaben reibungslos auch auf digitalem Wege erfüllen zu können, um in die Prozesse und Kommunikationskanäle des Unternehmens eingebunden zu sein. Mein Gefühl wäre, dass man hier oftmals gar nicht so viel Fancyness benötigt und es darum geht, die Kernfunktionen gut im Griff zu haben: Kommunikation, kollaboratives Arbeiten, Cloud Storage von Informationen und Daten.

Damit kommt man schon mal weit. Spezialfunktionen sind dann teilweise eher nice to have. Wir merken ja alle selber jeden Tag, dass wir nur an der Oberfläche der wirklichen Leistungsfähigkeit von Software kratzen. Plattformen wie OMR Reviews helfen natürlich dabei, einen Einblick zu bekommen, wie andere Firmen bestimmte Tools nutzen und was dort funktioniert. Das ist dann oftmals noch mal ein ungeschminkterer und Praxis-näherer Eindruck als auf den Pitch-Decks und Websites der Tool-Anbieter.

Hände an einem Laptop


factro: Was ist Deiner Ansicht nach die größte Herausforderung bei der Einführung eines Collaboration Tools?

Christian Müller: Die Akzeptanz der Mitarbeiter in allen Bereichen und auf allen Ebenen, auf denen das Tool zum Einsatz kommen soll. Wie erreicht man diese Akzeptanz? Durch Kommunikation der Vorteile, Schulungen und durch klar greifbare Use Cases, mit denen ganz schnell klar wird, dass das Tool den Arbeitsalltag erleichtert und es sich durchaus lohnt, sich aus alten Routinen zu verabschieden und sich ein neues Skillset anzueignen.


factro: Kein Tool ersetzt ein starkes Team. Wo stößt Software an Grenzen?

Christian Müller: Software ersetzt natürlich nicht den persönlichen Kontakt, das soziale Miteinander und teilweise auch das kreative Arbeiten. Wir sind schon überrascht, was Remote teilweise schon möglich ist. Wir haben kürzlich mit ca. 10 Leuten ein digitales Brainstorming abgehalten und waren wirklich erstaunt, wie gut das funktioniert hat.

Dennoch sind diese Meetings manchmal übereffizient und es findet zu wenig persönlicher Austausch und soziale Interaktion über den eigentlich Akt des Arbeitens hinaus statt. Man schließt dann das Browser-Fenster und das war’s. Daher freuen wir uns sehr, bald auch mal wieder nicht mehr nur Software-gestützt miteinander arbeiten zu können.


factro: Was macht einen Digital Leader aus und welche Kompetenzen muss er/sie mitbringen oder entwickeln?

Christian Müller: Aus meiner Sicht unterscheidet sich ein Digital Leader nicht von einem Leader im klassischen Sinne, außer dass dieser vielleicht ein gutes Verständnis von digitalen Technologien hat, wobei das im Jahr 2021 wirklich jede Führungskraft im Repertoire haben sollte.

Es geht daher aus meiner Sicht mehr um die sogenannten sozialen Kompetenzen. Der moderne Leader sollte so führen, dass ihre/seine Mitarbeiter in der Lage und hinreichend motiviert sind, ihr Bestes zu geben und sich zu entfalten.

Ich sehe den Leader als Enabler, der Rahmenbedingungen schafft, Strategien aufzeigt, langfristige Ziele vorgibt und die Kollegen durch offene Kommunikation mit auf die Reise nimmt. Gutes Zuhören, Empathie und absolute Berechenbarkeit/Verlässlichkeit sind darüber hinaus hilfreich.


Über Christian Müller:
Vor der Gründung von OMR hat er mit seinen Partnern verschiedene Technologie-Unternehmen im Digital-Marketing-Space gegründet. Dazu gehört unter anderem die Programmatic Advertising Plattform metrigo, die im Jahr 2014 von Zalando übernommen wurde. Christian absolvierte einen MBA im Medienmanagement und arbeitete nach dem Studium zunächst für 4 Jahre im internationalen Vorstandsbereich der Gruner + Jahr AG.

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