Fünf Fragen an Vicky Bargel

Im Gespräch mit factro teilt t3n Redakteurin Vicky Bargel Tipps zur digitalen Zusammenarbeit in Unternehmen. Der Schlüssel: Kommunikation.
Vicky Bargel im Interview bei factro
Bild: Marvin Ibo Güngör

Experten teilen Ihr Know-How

Unserer Interview-Reihe „Fünf Fragen an“ geht heute in die nächste Runde. Hier stehen Experten zu den Themen „Collaboration“, „digitale Zusammenarbeit“ und „New Work“ Rede und Antwort mit Tipps, Erfahrungen und einem Blick in die Zukunft.

Heute im Gespräch: Vicky Bargel. Sie ist Redakteurin beim Digital-Magazin t3n und leitet dort das Ressort „Startups & Wirtschaft“. Zudem moderiert sie den t3n Podcast.

factro: Was sind für Dich die entscheidenden und unmittelbaren Mehrwerte digitaler Zusammenarbeit? Warum sollten Unternehmen und Organisationen dieses Thema besser sofort als später angehen?

Vicky Bargel: Digitale Zusammenarbeit zahlt meiner Meinung nach auf den entscheidendsten Erfolgsfaktor unserer Zeit ein: Talente.

Dabei spielen zwei Aspekte eine Rolle: Zum einen ermöglicht digitale Zusammenarbeit, Menschen an einer Aufgabe zusammenarbeiten zu lassen, die das so in Präsenz wohl nie getan hätten. Unternehmen können also Teams aus den geeignetsten Köpfen bilden und nicht nur aus Köpfen, die gerade vor Ort zur Verfügung stehen. Und zum anderen bin ich der festen Überzeugung, dass Menschen durch digitale Zusammenarbeit zufriedener sind – weil sie flexibler arbeiten können.

Menschen sind nicht zur gleichen Zeit und unter den gleichen Bedingungen gleich produktiv. Manch einer arbeitet lieber früh morgens, manch einer spät abends. Für den einen ist das Großraumbüro eine ideale Arbeitsumgebung, andere bevorzugen das Café um die Ecke oder sogar den Strand. Wenn wir Menschen entdecken lassen, wie sie am besten arbeiten können, leisten sie nicht nur den größten Beitrag für Unternehmen, sie sind langfristig glücklicher.

Diesen Raum kann digitale Zusammenarbeit schaffen. Schon vor der Corona-Pandemie hat das Team der t3n Redaktion an unterschiedlichen Standorten gearbeitet. Ich empfinde das als extrem bereichernd, ich selber habe auch die Freiheiten, die ich zu konzentriertem Arbeiten brauche. Weniger nah fühle ich mich meinen Kolleg:innen dadurch nicht.


factro: Wenn ich Teamarbeit digitalisieren möchte, komme ich an Tools und Apps nicht vorbei. Worauf muss ich bei der Auswahl der richtigen Lösungen besonders achten? Was ist nur Kosmetik?

Vicky Bargel: Wenn die Kultur nicht stimmt, ist jedes Tool nichts wert. Damit digitale Zusammenarbeit gelingen kann, muss klar sein, wie in einem Unternehmen kommuniziert wird. Entscheidend ist dabei nicht, ob Teams auf das Medium E-Mail oder einen Messengerdienst wie Slack zurückgreifen. Entscheidend ist der Ton, in dem kommuniziert wird. Guidelines für gelungene Kommunikation können dabei enorm wertvoll sein.

Wenn das geklärt ist, kann über verschiedene Tools und Apps nachgedacht werden. Am besten entscheiden Teams dabei gemeinsam, was sie wirklich zum Arbeiten brauchen und was nicht.

Die meisten Unternehmen glauben, sie müssten ihre Teams mit einem ganzen Haufen an Tools versorgen, damit auch wirklich jeder Unternehmensbereich digital abgebildet werden kann. In den seltensten Fällen ist das wirklich notwendig. Oft reichen schon ein einfaches Projektmanagement-Tool wie Trello, ein Tool für Videokonferenzen wie Zoom und eben ein Messenger.

Ein Team arbeitet mit factro an neuen Projekten


factro: Was ist Deiner Ansicht nach die größte Herausforderung bei der Einführung eines Collaboration Tools?

Vicky Bargel: Tools sollen unterstützen und nicht einschränken. Gibt es zu viele Funktionen, sind diese unklar oder unübersichtlich gestaltet, erschwert das die Einführung enorm. Die größte Herausforderung ist schlicht und einfach, dass Mitarbeitende die Tools nicht gerne nutzen. Wenn der Use Case einer Software wirklich allen im Team klar ist, kann das den Einstieg schon erleichtern.

Bei der Einführung von neuen Anwendungen sind kurze Testphasen oft sinnvoll, in denen evaluiert wird, wie gut und gerne Tools genutzt werden und wo Mitarbeitende noch Unterstützung brauchen. Gemeinsam mit einem Administrator sollten alle offenen Fragen und Probleme möglichst schnell geklärt werden, damit sich Mitarbeitende wieder mehr um die Arbeit und weniger um den neuen Arbeitsablauf kümmern können.


factro: Kein Tool ersetzt ein starkes Team. Wo stößt Software an Grenzen?

Vicky Bargel: Tools ermöglichen digitales Arbeiten ganz hervorragend. Was sie aber in den seltensten Fällen schaffen, ist, all das Abzubilden, was keine Arbeit ist – Das wichtigste für echtes Teambuilding und Teambonding also. Kollegialer Austausch findet an der Kaffeemaschine statt. Wenn dieser Aspekt bei digitaler Zusammenarbeit wegfällt, müssen Unternehmen Räume schaffen, in denen Zwischenmenschliches wieder möglich wird.

Ich habe im Rahmen meiner Arbeit mit vielen Unternehmen gesprochen, die sich mit genau diesem Problem auseinandersetzen. Viele haben sich für die Zukunft folgende Lösung überlegt: Arbeiten soll zukünftig jeder von überall können, digital eben. Trotzdem verschwindet das Büro nicht ganz, es wird umgestaltet. Wo früher gearbeitet wurde, soll in Zukunft geklönt werden. Das Office wird zur Feierabendoase und Begegnungsstätte – das „Ende“ der Pandemie vorausgesetzt.

Eine Gruppe erfolgreicher Mitarbeiterinnen im Büro


factro: Was macht einen Digital Leader aus und welche Kompetenzen muss er/sie mitbringen oder entwickeln?

Vicky Bargel: Das Zauberwort lautet hier sicherlich Empathie. Ein Digital Leader muss zuhören können, immerhin sieht er seine Mitarbeitenden nicht jeden Tag und kriegt nicht immer mit, was sie umtreibt. Noch häufiger nachfragen, wie die Stimmung und das Wohlbefinden im Team sind, kann hier sehr wertvoll sein. Privates muss mehr denn je Platz finden.

Fragen, die dabei gestellt werden können, sind zum Beispiel: Wie schätzt du deine Arbeitsbelastung ein? Fehlt dir etwas, damit du entspannt arbeiten kannst? Kann ich etwas tun, damit du dich wohler fühlst?

Doch nicht nur Empathie spielt eine entscheidende Rolle. Bei digitaler Zusammenarbeit sind Mitarbeitende tendenziell eher auf sich gestellt. Für manche funktioniert das besser als für andere. Hier müssen Digital Leader ein Gefühl von Sicherheit bieten und vor allem das Gefühl vermitteln: Es ist absolut okay, wenn mal etwas nicht direkt klappt.


Über Vicky Bargel:

Vicky Isabelle Bargel ist Redakteurin bei t3n.de, dem führenden Magazin für digitale Wirtschaft, und leitet hier das Ressort „Startups & Wirtschaft“. Sie betreut und moderiert außerdem den t3n Podcast, in dem Sie regelmäßig mit Entscheiderinnen und Entscheidern der Digitalbranche spricht. Aktuell hospitiert sie im Digitalressort von ZEIT ONLINE.

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